Montag, 28. März 2016

Concordiatempel im Schloßpark Laxenburg

Tempel der Eintracht

 


 
Concordiatempel

 

Templum Concordiae, das steht als Name auf dem Fries des auf acht korinthischen Säulen ruhenden Rundtempels den Kaiser Franz II./I., zur Zeit der Erbauung und Einweihung eigentlich Kaiser Franz II., in seinem Schloßpark Laxenburg errichten ließ. Concordia, so wird die Göttin der Eintracht in der römischen Mythologie bezeichnet. Und als Symbol der Eintracht seiner Völker wollte der Kaiser dieses Bauwerk auch verstanden wissen. Wie die Geschichte bewiesen hat, ist diese Eintracht allerdings nur ein frommer Wunsch geblieben.
 
1795 hat ihn Kaiser Franz II auch selbst feierlich eingeweiht. Der Concordiatempel steht auf einem aus drei Stufen bestehenden Podest. Er ist ein offener Rundbau, der keinen geschlossenen Innenraum umgibt und sowas nennt die Architektur gewöhnlich einen Monopteros. Seine acht Säulen tragen eine mit Kupfer gedeckte und innen reichverzierte Kuppel. Der Fries am Rande der Kuppel trägt in jeder der vier Himmelsrichtungen eine Inschrift.  Zum einen den Namen des Gebäudes: "Templum Concordiae“. Dann die Initialen des Bauherrn, also „F.II.“ (für Kaiser Franz II./I.) und „M.T.“ (für Maria Therese, die (zweite) Gattin des Kaisers). Und letztendlich hat sich auch der Architekt verewigt: Die Buchstaben des Erbauungsjahres „MDCCLXXXXV“ (1795) hat er in einer verzierten Rosette in Stein gehauen, und die Buchstaben "C.G.A.M." die Initialen seines Namens: Cavaliere Guiseppe Alessandro Moretti.

 


Tempelname, Monarchen, Erbauungsjahr Concordiatempel  (Franz K. Prancz )


 
Das Inneren der Kuppel ist mit einer reich gegliederten Stukkatur Arbeit versehen, die der Bildhauer M. Köhler gefertigt hat.

 

Innenansicht der Kuppel


Die „Bauleitung“, Hofgärtner Mayer, war offensichtlich mit dem vom Architekten Moretti geforderten Preis nicht so richtig einverstanden.
 
In einem Dokument im Haus- Hof und Staatsarchiv kann man nachlesen:
 
„Euer Majestät haben mir des Cavaliere Allesandro Moretti Plan zu einem in Lachsenburg um die Summe von 12000 fl. (Gulden) zu erbauenden Tempel zuzustellen geruhet. Obschon diesem Plane kein oedentlicher Uiberschlag beilieget und sich also die Verhältnißmässigkeit der angetragenen Beköstigung nicht genau beurtheilen läßt, so scheint doch überhaupt die Summe von 12000 fl. überspannt und mehr ein Pauschalquantum, als ein berechneter Beköstigungs-Beitrag zu seyn.
 
Ich halte es daher für meine Pflicht, mich allerunterthänigst anzufragen, ob Euer Majestät den gedachten Betrag dem Moretti schon gänzlich zu bewilligen und zuzusagen geruhten oder ob ich von demselben einen genaueren Uiberschlag abfordern und darüber die weitere Behandlung mit ihm vornehmen soll?
 
Da übrigens ein Dritteil der Beköstigungs-Summe, nach des Moretti Erklärung, im Voraus bezahlt werden soll, so dürfte es allerdings nöthig seyn, denselben zur Stellung einer hinlänglichen diesfälligen Bürgschaft zu verhalten, welches ich zu thun nach Erhaltung der allerhöchsten Genehmigung nicht außer Acht lassen werde.    Mayer.“
 
Kurz und bündig antwortete seine Majestät:
 
„Wegen Erbauung dieses Tempels haben Sie einen genauen Uiberschlag von dem Moretti abzufordern, mit ihm hierüber in weitere Behandlung zu tretten und einen ordentlichen Kontrackt anzustoßen: Mir aber noch vorher die dießfällige Anzeige zu machen.   Franz.“
 
(HHStA, GDPFF, Ältere Reihe, Fasz. Blau 4, Konvolut Laxenburg – Vösendorf; 30. April 1795, fol 7)
 
Nicht allen damaligen Zeitgenossen hat dieser Bau uneingeschränkt gefallen. So schreibt zum Beispiel Franz de Paula Gaheis 1801 über den Tempel der Eintracht, wobei ihm allerdings zwei kleine Fehler unterlaufen sind, folgendes:
 
Je mehr man sich demselben nähert, desto mehr entwickelt sich sein prächtiger Styl. Acht corinthische auf drey Stufen erhobene Säulen tragen eine Kuppel, welche mit herrlicher Stukaturarbeit geschmackvoll ausgearbeitet ist. Das Architav schien uns beym ersten Anblick zu prächtig. Allein die Vorstellung, daß die Eintracht die Mutter des Überflusses und der Pracht ist, rechtfertigt den Architecten bis zur Verwunderung. Wenn der Künstler nicht etwa auf künftige Wirkung der noch jungen Baumpflanzug umher schon jetzt gerechnet hat, so laßt sich das Freye dieses Tempels in Absicht auf Licht und Sonne nicht entschuldigen. Auch schien uns der obere Umfang der Säulen im Verhältnis zu ihrem größten Duchmesser etwas zu groß zu seyn. Doch das sind Kleinigkeiten. Im Ganzen ist es ein Prachtstück der Architectur, nicht zu schwer für einen Lustpark, angemessen der Gottheit, welcher es geweiht ist, und der Erhabenheit des diese Gottheit verehrenden Monarchen Franz 1., welcher mit eigener höchster Hand den Grundstein dazu legte. Die Inschrift auf der Vorderseite lautet: Templum Concordiae. Zu beyden Seiten sind durch die Buchstaben F.II und M.T. die Nahmen Ihrer kaiserlichen Majestäten, und auf der Rückseite durch: MDCCLXXXV.  C.C.M.  das Jahr der Errichtung (1785) (1) und der Name des Architecten: C.C. Muretti (2) bezeichnet. Die zierliche Stukaturarbeit ist von M. Köhler.
 
(1)   Das ist ein Fehler. Die Jahreszahl lautet richtig MDCCLXXXXV entspricht also 1795.
(2)   Auch das ist falsch. Richtig lauten die Buchstaben C.G.A.M.
 
Uneingeschränkt zufrieden mit der Gesamterscheinung des Bauwerks war Franz de Paula Gaheis offensichtlich nicht.
 
Weit bemerkenswerter ist aber, daß die „technische Abnahme“ noch im Erbauungsjahr 1795 zur Bauausführung eine Reihe von Fehlern und Mängel zu bekritteln hatte. Herr Ferdinand von Hohenberg, k.k. Hofarchitekt und Direktor der Baukunst an der k.k. Akademie bildender Künste, und Herr Andreas Fischer, k.k. Ober Baudirektions Oberarchitekt und Professor der Baukunst beschrieben es folgend:
 
„Vermöge des hierüber bestehenden Kontrackts solle dieser Tempel nach seiner Vollendung untersuchet und erhoben werden, ob alles nach den eingegangenen Verbindungen entsprechend hergestellt sey und da die Unterzeichneten von einer Wohl Lobl. k.k. Familienherrschaften Direction hiezu verordnet und bestimmt wurden, so haben sie sowohl die eingelegten Pläne als den darauf sich gründenden Kontrackt mit den herstellten Tempel Bau selbst verglichen, letzteren in ganzen und seinen Theilen ausgemessen und folgendes zu bemerken gefunden:
 
ad 1mum  Stimmen die beyden eingelegten Pläne unter sich nicht überein, denn jener von der Facciade oder des Haupt-Risses ist nach seinen Durchmesser um 5 Schuh und in seinen Umfang um 15 Schuh größer als der Grundriß, keiner von beyden aber hat das Maß, welches in den darauf sich fründenden Kontrackt bedungen ist. Jener Durchmesser, welche die Säulen und mithin die Massa des Tempels, die dem Auge begegnet, einschlüsset, ist in dem Contrackt auf 25 Schuh festgesetzt, mithin würde sein Umkreis nach dem physischen Masse ungefähr 75 Schuh betragen. Der Durchmesser des Aufrisses von der Facciade ist 28 und der Umkreis davon 84 Schuh. Jener des Tempels selbst aber nur 23 und sein Umkreis 69 Schuh, mithin ist der wirklich gebaute Tempel in Durchmesser gegen den Kontrakt um 2 und im Umfang um 6 Schuh kleiner, bey dem Aufriß aber die Breite um 5 und der Umkreis um 15 Schuh gegen diesen unterschieden.
  
2do  Sind die korinthischen Säulen um 2 Schuh niederer als im Riß und als sie von denen Antiquen festgesetzet durch länger als 2000 Jahre von allen Künstlern als die unverbesserlichste Proportion gehalten wurde, hiedurch ist also auch der Tempel um vieles niederer als im Contrackte versprochen worden, welches vermuthlich daher rühren mag, daß weil dem Tempel etwas in der Breite abgebrochen wurde, die Höhe noch mehr gegen die Proportion ausgefallen wäre, die itzt noch zu dieser Breite aufs höchste ist.
 
3tio  Ist das Kupferdach von gar übler Beschaffenheit, die Blech-Tafeln sind von der geringsten Gattung und überdieß allenthalben mit Zwickeln oder kleinen dreyekichsten Stücken ausgeflüket, welches um so leichter hätte gut und dauerhafter hergestellet werden können als in Uiberschlag zu sehen ist, daß dafür 1800 fl. angesetzet sind und diese Art Eindeckung fünf, aufs allerhöchste 600 fl. gekostet haben kann.
 
4to   Ist in den Contract, daß die 3 Stuffen nebst dem Postamenten der Säulen, dann die Säulen selbst mit ihren Architraven und Kapitälen, Verzierungen und Schutzwerk, endlich Zocel und die 3 Gesimse, welche die Kuppel tragen, von weißen harten Stein aus Hungarn bestimmt. Ohne den 3 Stufen der Säulen Zokeln und ihren Schaftgesimsen findet sich überall oben beschriebene Arbeit den Contract entgegen von weichen margareter Sandstein.
 
5to  Was endlich die Solidität oder Haltbarkeit des Gebäudes betrift, so kann diese derzeit bis auf künftiges Frühjahr mit Grunde nicht wohl beurtheilet werden, nur ist zu besorgen, daß die ungewöhnlich überhäuften Verzierungen, die sonst nur im Inneren der Gebäude und das noch viel sparsamer angewendet werden, hier der freyen Witterung so sehr ausgesetzet, von dem so geringen und sich leicht auflösenden marben Sandsteine, beständige Reparationen erscheinen werden.
 
Wien, den 23. November 1795     Ferd. V. Hochenberg kk . Andreas Fischer kk.
 
(HHStA, GDPFF, Ältere reihe, Fasz. Blau 4, Konvolut Laxenburg – Vösendorf, fol. 12 f)
 
Zur Reparatur am Sockel, die im Juni 1798 erfolgte, ist ebenfalls im HHStA nachzulesen: „Zu Verfertigung und Zusammenziehung deren Staffeln bei dem Tempel wurden 70 Stück breite, flache Klampfen im Gewichte 80 Pfund und in die Kuppel 1 großer, starker Lusterhaken mit einer langen Holzschrauben gemacht …“
 
Diese „Klampfen“ sind heute noch sichtbar.
 
Und dort kann man ihn bewundern, den Tempel der Eintracht.