Samstag, 12. März 2016

Flugschau in Laxenburg


Flugschau in Laxenburg
 

Ich persönlich hab' mir ja noch nie so ein "Red Bull" - Getränk eingeflößt. Aber irgendwann hab' ich mir im Fernsehen eine dieser Flugveranstaltungen angesehen, die unter diesen Markennamen abgehalten werden. WOW! Nun ja, nicht gerade mein Ding, aber immerhin beeindruckend. 

Mit der Fliegerei hab ich ohnedies so meine Probleme. Ich gestehe, wenn überhaupt, so fliege ich nicht gerne. Also in Natura. Im Flugsimulator, in meinem Falle ist es der "Winzigweich" Flugsimulator, bin ich schon geflogen, da hat der Flug standardmäßig noch in Meigs begonnen.

Ihr wißt nicht wer, oder was Meigs ist? Macht euch nicht's draus! Das ist wirklich keine Bildungslücke. Meigs, richtiger "Meigs-Fields" ist, falsch, war ein kleines Flugfeld für Kleinflugzeuge in Chicago (USA). Es ist noch nicht so lange her, da hat der dortige Bürgermeister in einer Nacht- und Nebel- Aktion, gegen den Widerstand der Betreiber und ohne Vorankündigung die Anlage einfach demolieren lassen. Die USA sind halt eine lupenreine Demokratie. Sagt man zumindest.
 
Wie auch immer. Weit weniger spektakulär, zumindest nach heutigen Begriffen, hat es schon lange vor "Red Bull" eine Flugschau in Laxenburg gegeben. Ihr glaubt es nicht?

Schaut es euch einfach an:  
 

6. September 1810

Jakob Degens
erstes
Aufsteigen mit der Flugmaschine

in Verbindung mit dem Luftballe
ohne Leitschnur

unternommen

 
in Gegenwart und auf Kosten Sr. Majestät des Kaisers
aus dem Parke des k.k. Lustschlosses zu Laxenburg. 
 

 
 


Wie in den unteren Luftschichten, so herrschte unter den zahlreichen Zuschauern allgemeine Stille. Der Flügelschlag begann, der Künstler stieg empor, und eine safte Harmonie von Blasinstrumenten begleitete seinen Flug. Er stieg in mäßiger Höhe über die Tribunen, wendete sich um, und kehrte zurück. Als er im Rückwege die Köpfe der Zuschauer zu nahe zu kommen schien, schlug er unvermuthet mit seinen Flügeln, und stieg um sich über dem Turnierplatze zu senken. Ohne den erbboden zu berühren, schwebte er über dem Platze fort, und streute einen Theil der Bleyschrote aus, um den kühnen Flug ohne der Leitschnur zu unternehmen.

Die gutgewählten Farben der Flügelstreifen, das übereinstimmende Ganze, das sie in ihrer Ausdehnung mit dem Ballone bildeten, die den reizenden Park noch beleuchtenden Sonnenstrahlen, vor allem aber die Zufriedenheit, welche man an dem Antlitze beyder k.k. Majestäten las, erhoben den Versuch zu einem der angenehmsten Schauspiele. Der gute Bau des Ballons, und der Maschine, von der man sich zuvor überzeugt hatte, und die Geistesgegenwart des Künstlers, mit der er seine Bewegungen leitete, entfernten die sonst manches Schauspiel störende Gemütsunruhe, und verstatteten die Gelegenheit, jede Bewegung der Flügel zur Veränderung des Fluges, das abwechselnde schnelle Schlagen, um höher zu steigen, und das Innehalten mit dem Schlage, um auszuruhen, zu beurtheilen. Dem zärteren Gefühle, dem noch ein Schwanken zwischen theilnehmender Furcht, und zwischen voller Beruhigung zurückblieb, ward nach dem Maße des Besorgnisses auch das verhältnismäßig größere Vergnügen für den Zeitpunkt vorbehalten, in dem es dem Künstler in weiter Entfernung in einem großen Bogen sanft niedersinken sah, und die Nachricht erhielt, daß er mit seiner so mühsam verfertigten Maschine ganz unbeschädigt sich niedergelassen habe.  Se. k.k. Majestät sandten mit dem Beginnen des weiteren Fluges einen Schnellfahrer mit zwey Gehülfen abm die ihm zurückführten, und zwey Eilbothen, welche die Nachricht von seiner Ankunft bringen sollten.

  

Jakob Degen

Flugversuch in Laxenburg
 

Die Versuche des Erfinders Jakob Degen, "ob es nicht möglich wäre, etwas dem Vogelfluge Ähnliches durch die Kunst darzustellen" führten schon vor zwei Jahren zum Bau eines Schwingenfliegers. Dieser Versuch, sich mit Flügelschlag in die Luft zu erheben, mißlang. In der Folge ging Degen dazu über, seinem Fluggerät vorerst durch Gegengewichte, dann durch einen Luftballon den nötigen Auftrieb zu verleihen. Nach einigen "indoor"- Versuchen (unter anderem in der Wiener Hofreitschule) ist heute endlich der große Tag des wagemutigen Erfinders gekommen, denn "er steigt zu Laxenburg in Gegenwart sr. Majestät des Kaisers und dessen ganzen Hofes auf und erhält als einen Beweis der allerhöchsten Zufriedenheit ein Geschenk von 4 000 fl."




… und wer war dieser „Flugpionier“?

 

Jakob Degen wurde vermutlich 1760 in Liedertswil in der Schweiz geboren. Etwa um 1770 kam er mit seinem Vater, einem Seidenbandweber, nach Wien. Ab 1778 erlernte Jakob Degen das Uhrmacherhandwerk und wurde 1792 Uhrmachermeister und zugleich Bürger in Wien.

Bald schon befaßte er sich mit flugtechnischen Versuchen und baute 1808 einen Flugapparat, dessen Schwingen mit Muskelkraft angetrieben und von einem mit Wasserstoff gefüllten Ballon getragen wurde. Damit unternahm er erste Flugversuche in der Hofreitschule und am "Feuerwerksplatz" im Prater wobei: 

"seine Flugmaschine ihn, vom Luftballon unterstützt, emporhob; er flog willkürlich nach allen Seiten, hob und senkte sich, und der Luftball, dessen er völlig Meister war, folgte ihm in alle Richtungen".

Für weitere Flugversuche reiste Degen zusammen mit seinem vierzehnjährigen Sohn Carl im Mai 1812 nach Paris. Seinen dritten und letzten Flug unternahm er zur Feier des Geburtstages Napoleons.

Mit finanzieller Unterstützung des Kaisers konnte Degen 1815 wieder nach Wien heimkehren. Er war völlig mittellos und entschloß sich, keine weiteren Flugversuche mehr zu unternehmen.

1820 erfand Degen ein Mehrfarbendruckverfahren für Banknoten und Wertpapiere, das 1821 von der Österreichischen Nationalbank übernommen wurde, was ihm eine Anstellung bei der Nationalbank einbrachte.

 
 
 
Am 28. August 1848 starb der begabte Erfinder In Wien, im Haus Ungargasse 27, an dem auch eine Gedenktafel angebracht ist. Jakob Degen wurde auf dem Friedhof St. Marx in einem bescheidenen Grab beigesetzt.