Sonntag, 17. April 2016

Ein 'launiges' Haus


Das Haus der Laune

 

Ruine des 'Lusthaus im Eichenhain'
 
„Kommissar Rex“, das war ein superschlauer Schäferhund in einer Fernsehserie des ORF, hat letztendlich dafür gesorgt, daß man im Frühjahr 2002, rechtzeitig vor den Fernsehaufzeichnungen, sowohl den im Inneren der Ruine des ‚Lusthaus im Eichenhain‘ befindlichen „Baumbestand“, als auch das umgebende Gebüsch weitgehend entfernt hat. Ich nehme an die Fernsehleute haben das gefordert, weil sie sonst weder Bewegungsfreiheit, noch freie Sicht auf Kommissar, oder Hund, oder möglichen Täter, oder was auch immer, gehabt hätten. Danach, nach den Dreharbeiten ist die Ruine mit einem Bauzaun umgeben worden.
 
Das obige Bild habe ich zufällig im Winter 2001/02 aufgenommen. Noch vor der „Rodung“. Das Gebüsch trägt, der Jahreszeit entsprechend, natürlich kein Laub, aber man kann sich unschwer vorstellen, welch wirklich kümmerliches „Schattendasein“ die kärglichen Mauerresten während der Sommermonate im dichten Blättergewirr gefristet haben.
 
Wer sich je die Mühe gemacht hat dieses verfallene Mauerwerk zu umrunden, dem wird vielleicht der eigenartige Grundriß aufgefallen sein und sich darüber gewundert haben. Ich muß gestehen, mich hat er fasziniert. Der Grundriß des Hauses ist ein unregelmäßiges Achteck, also ein Oktogon, an das vier nahezu quadratische Kabinette angebaut sind. An der Rückseite, in einem etwas gerundeten Vorbau, erkennt man das „Stiegenhaus“, das den Aufgang in den ersten Stock ermöglicht hat.
 
Ja, und seit zwei, mag sein auch drei Jahren, hat die „Betriebsgesellschaft“ eine der „Informationstafeln“ davor aufgestellt. Seither kann man (also besuchende Personen) wenigsten ein wenig darüber lesen was diese von Jahr zu Jahr zunehmenden Verfall preisgegebene Ruine einst gewesen ist.



 

 
Wer auf Grund dieses kurzen Textes wirklich eine Vorstellung davon hat wie diese ‚Architekturkarikatur‘, wie dieses ‚kuriose und rätselhafte‘ Gebäude zur Zeit seiner Erbauung ausgesehen hat, wer sich wirklich die ‚verkehrte Welt und allerlei Kurioses‘ vorstellen kann, dem gebührt meine allertiefste Bewunderung. Aber immerhin, man hat sich bemüht und ehrlich gesagt, auf so einer kleinen Tafel das ‚Haus der Laune‘ auch nur annähernd zu beschreiben, das ist völlig unmöglich.
 
Die hinter Bäumen und Laubwerk versteckten und schon ziemlich verfallenen Mauerreste sind der traurige Rest des einst (europaweit) berühmten ‚Haus der Laune‘. Mit „einst“ meine ich die sehr kurze Zeitspanne zwischen der Erbauung 1798 und der Zerstörung 1809. Da wurde, unter anderen Einrichtungen im Schloßpark, auch das „Haus der Laune“ durch die unter Napoleon siegreichen französischen Soldaten zerstört. Der damalige Schloßhauptmann Michael Riedl hat darüber geschrieben: „… die Gartenmayerei, und das Haus der Laune sind geplündert worden. Im letzeren haben sie sehr vieles muthwillig zerstört!“
 
Ich hab‘ das ja schon oft gemacht, aber wollen Sie, wollt Ihr, wollen wir zusammen einen geistigen Sprung in die Vergangenheit wagen? Ja? Also, dann schließen wir ganz fest unsere Augen, konzentrieren uns und denken uns zurück in das erste Jahr des gerade beginnenden 19. Jahrhunderts. Wir schreiben 1801. Angekommen?
 
Langsam öffnen wir die Augen und stehen in ungewohnter Kleidung inmitten einer Gesellschaft von Parkbesuchern, der auch ein gewisser Herr Franz de Paula Gaheis angehört. Vor uns steht ein merkwürdiges, ein geradezu kurios anmutendes Gebäude. Ein Haus das rundum Staunen hervorruft. Es ist das „Haus der Laune“.
 
[Gerne hätte ich euch an dieser Stelle bildlich gezeigt was wir jetzt sehen. Herr Lorenz Janscha hat das in einem seiner wunderschönen Aquarelle festgehalten, doch mein pekuniärer Hintergrund (J) erlaubt es mir nicht die Lizenzrechte dafür zu erwerben. Wer also mag, der kann den Link in dem darunter gezeigten Foto anklicken. Er birgt euch auf die Heimseite der Alberitina in Wien, wo ihr das Janscha-Aquarell in voller Pracht bewundern könnt.]

 

 
Haus der Laune   ß klick zur Albertina, Janscha, Haus der Laune
 
Der Architekt Johann Ferdinand Hetzendorf von Hohenberg hat es in den späten 90’er Jahren des 18. Jahrhunderts entworfen und erbaut. Man munkelt allerdings, daß sich Ihre Majestät, die Kaiserin Marie Therese, also die zweite Gemahlin Kaiser Franz II. das Ganze ausgedacht haben soll. Das muß schon eine Frau mit viel Phantasie und sehr wundersamen Ideen gewesen sein! Annedore Brock schreibt in ihrer Dissertation „Das Haus der Laune im Laxenburger Park bei Wien“ über Kaiserin Marie Therese:
 
„In Ermangelung schriftlicher Quellen Hohenbergs kann sein Bezugnehmen auf diese Zeit nur mehr an Hand der ausgeführten Projekte nachvollzogen werden. Daß der romantische Geist in Laxenburg vor allem auf Marie Therese zurückzuführen war, läßt sich an Hand von Briefen und biographischen Fakten – besonders aber an Hand der Reaktionen ihrer Zeitgenossen nachvollziehen, die überwiegend negativ gegenüber der Kaiserin waren; da diese Reaktionen aber aus dem Lager der aufklärerischen, rationalen Gesinnung stammen, die der Romantik insgesamt ablehnend gegenüber standen, bestätigt sie indirekt die romantische Gesinnung Marie Thereses. … „
 
Herr Franz de Paula Gaheis, für mich ein begnadeter ‚Beschreiber unbeschreiblicher Dinge‘ und Buchautor, der seine Eindrücke über dieses ‚launige Haus‘ in seinen „Wanderungen und Spazierfahrten in die Gegenden um Wien“ im Jahr 1801 niedergeschrieben hat, soll uns das „Haus der Laune“ beschreiben. Ich weiß, die Geschichte von Herrn Gaheis ist ziemlich lang, doch ich glaube sie ist es dennoch wert, der Anschaulichkeit halber, hier in voller Länge wiedergegeben zu werden.
 
Herr Gaheis beginnt seine Beschreibung bei dem sogenannten Wachthaus (darüber werde ich noch in einem gesonderten Beitrag berichten, hoffe ich), einem um nichts weniger sonderbaren Gebilde, das sich in geringer Entfernung vom Haus der Laune befunden hat:
 
Jetzt wallete unser Zug über eine leichte Bogenbrücke auf das jenseitige Ufer des Kanals. In Kurzen stießen wir links auf eine Wachhütte, welche wie ein Argus über und über mit Augen bemahlt ist. Ein schönes Sinnbild der Wachsamkeit! rief eine aus der Gesellschaft aus. Oder vielmehr der Schläfrigkeit des Wächters, sagte ein anderer, indem die Hütte statt seiner sehen muß. Sie ist rund herum, statt der Ketten, mit Aepfel, eingefaßt, die an dicken Spargelstengel herabhängen. (Herr Gaheis versucht in einer Fußnote anzumerken was unter ‚Laxenburgespargel‘ zu verstehen ist. Ich laß das, und summe leise ein Lied der Comedian Harmonists vor mich hin Veronika, der Lenz ist da…“) Zu oberst ist statt der Fama eine weibliche Figur mit sternbesähtem Kleide und einem Geisbockkopfe zu sehen. In der Linken hält sie einen Besen, in der Rechten ein Hirtenrohr, mit welchem sie zu blasen scheint. An der Mündung hängt ein Schild mit der Aufschrift: Weg zum Haus der Laune.
 
Da ich diese ganze Anlage nicht für bloses Spielwerk, sondern für ein Meisterstück von komisch-allegorischer Dichtung, und überhaupt für ein Werk halte, deßgleichen Europa nicht aufzuweisen hat, so sey es mir erlaubt, theils meine eigene, theils meiner Begleiter Deutungen einzelner Allegorien nur hie und da beyzufügen. Denn das Ganze scheint mir einen so hohen, feinen und vielfassenden Sinn zu haben, daß ihn außer dem Künstler vielleicht Niemand vollständig erklären kann. Diese Wachhütte sollte sie nicht das Sinnbild der Unmäßigkeit und Geilheit und ihrer Folgen, der Unwachsamkeit über sich selbst, des Aberglaubens (Besen), der Thierheit und des launischen Wesens vorstellen?
 
Verwundernd betrachteten wir das Haus der Laune, das von hier aus in einer sonderbaren Architectur in die Augen fällt. Der Platz wird von Hellebarden mit auswärts gerichteten Spießen umgeben. (Wer kann sich einem Launichten nähern, ohne verwundet zu werden?) Das Gebäude ruhet stellenweise auf Felsen, der mittlere Theil wird von Insignien der Ernte umgeben, das Dach ist mit Honigfladen und Wachs bedeckt, die Verzierung derselben wird durch Zuckerhüte gebildet. Statt der Windfahne sind zu oberst mehrere Ballons angebracht. (Ist nicht dieses Ganze das Bild des Ehrgeizes? Der Grundcharacter ist felsenfest gewurzelt, er nähret sich mit Künsten und Wissenschaften, deren Attribute innwendig gerade da sind, wo von außen die Korngarben erscheinen, sein Äußeres ist, um seinen Zweck zu erreichen, wie Zucker und Honig, allein sein Gehirn ist berauscht unter dem Dach der Keller mit den Fantasien der Ehre, die ihn wie ein Ball mit jedem Winde hin und hertreiben.) Wir umgingen zuerst die ganze Außenseite. Die Bauart von unten ist ägyptisch und gothisch, die Balustrade wird durch Hunde und Katzen (das Bild der Uneinigkeit) vorgestellt. An den vier Seiten sind eben so viele Thürme. Der eine stellt eine Festung vor, der andere einen Vogelbau, der nächste ein Modell vom Paradeplatz auf der Burgbastey, und der letzte ein Taubenhaus. (Wir erschöpften uns in Muthmassungen über ihre Auslegung; aber umsonst). Ein runder Thurm, wie sie bei allen Festungen vorkommen, ist von unten bis oben allegorisch. Zu unterst sind Grabesurnen mit Hyeroglyphen; über diesen halbverschlossene Fenster von Mönchszellen, und weiter hinauf mit Blumen verzierte Köpfe von Opferthieren zu einer Hekatombe. (Die Deutung dürfte hier leichter seyn; da sie aber beleidigend für den Stand ausfallen könnte, der, wenn er das ist, was er seyn soll, Ehrerbietung verdient, so wollen wir sie zurückhalten. Nur an Zimmermanns Werk über die Einsamkeit darf man hier erinnern).
 
Vor dem Eingang bemerkten wir ein matt brennendes Opferlicht und eine ausgelöschte Wachsfackel abgemahlt. (In Beziehung auf die im Erdgeschoße angebrachten Cabinete, könnte es das erloschene Licht der Vernunft anzeigen).
 
Im ersten Cabinete zur Rechten ist die Putzsucht recht ausdrucksvoll symbolisirt. Ein Budel trägt ein leeres Pudersäckchen, zwey Affen halten die Puffer, ein Bär den Spiegel, ein Hund den Pudermantel, ein schwarzer Budel den Kamm, ein weißer das Stecknadelkissen. Man bemerke an den farbigen Fenstern die künstliche Glaserarbeit, worin die zur Toilette gehörigen Gegenstände sehr anziehend abgebildet sind.
 
Diesem Cabinete gegenüber ist die Retirade, welche ein durchaus nettes Gemach vorstellt. Nicht ohne inhaltsvollem Sinne ist hier ein pedantischer Medicus, eine Kammerfrau, eine Gouvernante mit seinem Kinde, und ein die Zeitung lesender Abee, alle mit Carricatur-Gesichtern, in Lebensgröße dargestellt.
 
In einer anderen Ecke ist das Confect-Zimmer angebracht, worin an den Fenstern die Farben der verschiedenen Weinsorten nicht unbemerkt zu lassen sind. Gegenüber ist die Küche. Sie stellt P. Kochems Hölle vor; während einige Teufel durch die Flammen fliegen, sitzen andere auf dem Feuerherd und spielen Karten.
 
Der mittlere Sahl könnte ein Tempel der Spielsucht seyn. Alle Attribute des Spieles (welcher Teufel für manche Menschen!) sind hier als Verzierung angebracht. Die Bordur an der Mahlerey und an den Sesseln ist sehr kunstreich aus Kartenblättern gestaltet, den Tisch stellt ein Billard vor, den Luster bildet eine Zusammensetzung von allen Arten Ballen. Die Uhr ist mit Karten, Würfeln, Pallästern und anderen Spielrequisiten sehr schön geschmückt.
 
Eine Stiege mit bunt bemahlten Staffeln führte uns in das erste Stockwerk.
 
Der Sahl stellt den Tempel der Tonkunst vor. Auf der Wand sind lauter Titelblätter zu Stücken von berühmten Tonsetzern beyderlei Geschlechts und von jeder Nation abgemahlt. Von einigen sind ganze Häfte zum Umblättern an der Wand. Sogar die Sesseln und Tische bestehen aus Blasinstrumenten und der Kronleuchter ist eine kleine Pauke, an welcher rundherum Waldhörner die Leuchter vorstellen. Die Quaste bildet eine Sackpfeife (Dudelsack). Hinter der Thür lehnt ein Violon, welche zugleich als Musikalienkasten gebraucht werden kann. Sogar auf dem Fußboden liegen beschriebene Notenblätter herum, doch ohne daß sie weggeräumt werden können.
 
Ein Neben-Cabinet stellt ein kleines Bibliothek-Zimmer vor. In den Bücherschränken sind auf der Rückseite der Bücher die Titel der neuesten und besten Werke zu lesen, die Wände sind sehr komisch mit den hundert Gestalten der Broschüren Deckel bemahlt, auf dem Fußboden liegen einzelne Blätter und Brief-Couverte herum. Der obere Theil ist mit Büsten von Gelehrten besetzt, den Luster stellt sinnreich ein Globus vor.
 
Noch ist ein Cabinet mit den kostbarsten englischen Kupferstichen ausgeziert. Auf der Außenseite des Hängeleuchters sind verschiedene Stellungen einer Tänzerin dargestellt. Ob es Vigano oder Vestris sey, konnten wir nicht ausmachen.
 
Das nächste Zimmerchen ist mit künstlicher Stroharbeit austapeziert. Die Stelle des Lusters nimmt ein niedliches Körbchen mit Stroh ein.
 
Die Deutung aller dieser Gemächer des ersten Stockwerkes? Ist schwer! Wollte man das Musik- Bücher- und Bilderzimmer als Symbol der höheren Leidenschaften ansehen, die so oft nur mit ausgedroschenen Stroh oder mit einem Körbchen lohnen, da die unteren Leidenschaften die im Erdgeschoß vorgestellten zur Höllenplage führen: so wäre zwar etwas gesagt; aber ob es die Meinung des Künstlers ist, das müssen wir dahin gestellt seyn lassen.
 
Eine leichte, schmale, nur für eine Person geräumige, mit Guirlanden auf das geschmackvollste gezierte Treppe führt auf den Dachboden. Die farbigen Fenster an den Seiten werfen eine so magische Beleuchtung auf die auf- und absteigenden Personen, daß man sich des Gedankens an Jacobs Himmelsleiter nicht erwehren kann. Ganz überraschend ist es, in dieser Höhe von 31 Staffeln über dem ersten Stockwerk einen Weinkeller mit einer Presse zu finden. Da liegen rundherum Weinfässer von allen Gattungen, auf einem sitzt eine Katze, auf dem anderen springt eine Ratte, dort steht eine Mausefalle, in den Ecken und Seitenschränken sind Krüge, Gläser, Brot, Flaschenkeller, Heber und alle Keller-Requisiten zu sehen; an dem größten der Fäßer lehnt eine Leiter, in einer anderen Gegend bemühen sich Faßzieher, ein volles Faß auf die Ganter zu bringen; dieses Faß hat vorne einen Heiligen aufgeschnitzt, auf jenem steht:
 
Anno Domini : oder Mutterfaßl oder : der 13. Apostel : auf einem anderen:
 
All’s versoff’n vor sein End
Is a richtig’s Testament.
So hab’n die Advokaten kann Rebach.
 
Aus den Dachfenstern, die von innen nicht viel größer, als Kellerlöcher sind, ist eine entzückende Aussicht in die Gegend umher. So wie man im Keller vergißt, daß man sich auf einer Turmhöhe befindet, so vergißt man bey dieser Aussicht, daß man in einem Keller ist.
 
Mit Gefühlen, für deren Bezeichnung die Worte nicht eben so geschwind vorhanden sind,  verließen wir dieß Meisterstück von dem Genie des Herrn Hof-Architecten von Hochenberg. Wir lernten ihn in verschiedenen seiner Werke, vorzüglich in der Colonuade und im Obelisk zu Schönbrunn als einen Künstler von ausgezeichneten Geschmacke kennen; hier aber erscheint er noch überdieß als philosophischer Dichter in seinem Fache. Mit Bewunderung umgingen wir noch einmahls das ganze Gebäude, suchten in unsere Deutungen Einheit zu bringen (jemand aus der Gesellschaft wollte das Gebäude als eine sinnliche Darstellung des österreichischen Characters ansehen; ein anderer für das Bild des Hoflebens, noch ein anderer für eine Satyre auf das menschliche Leben überhaupt; und jeder hatte gute Gründe dazu); aber keinem aus uns gelang es ein zusammenhängendes Ganzes herauszubringen. Doch waren wir alle der Meinung, daß diese Anlage in der Baukunst den Rang verdiente, welche in der Dichtkunst Buttlers Hudibras, Stere’s Tristram Shandy oder Cervantes Don Quixote einnimmt.
 
Soweit also die phantastische Schilderung von Franz de P. Gaheis. Lange hatten damalige Besucher von Laxenburg allerdings keine Gelegenheit, dieses weit über die Grenzen Österreichs bekannte und sehenswerte Gebäude zu besichtigen. Wie schon erwähnt, wenige Jahre nach seiner Erbauung wurde das Bauwerk im Kriegsjahr 1809, wie viele andere Objekte im Schloßpark auch, von den in der Schlacht bei Aspern siegreichen Franzosen nahezu restlos zerstört.
 
Doch zurück zum Ursprung. Dieses kostbare „Haus der Laune“ konnte tatsächlich schon kurz nach der Errichtung, 1798, also in den letzten Jahren des 18.  Jahrhunderts von Parkbesuchern besichtigt werden. Und natürlich wurde es deshalb auch bewacht:
 
„Für die zur Bewachung des Hauses der Laune beorderte Militärmannschaft werden für die Wintermonate 6 Klafter weiches Holz zur Beheizung der Wachstube und das nötige Öl anzuschaffen beantragt“(HHStA, SHBL, Index „G-N“, p. 1/1798).
 
Und auch Reparaturen wurden bereits vorgenommen und sind in kleinsten Details dokumentiert.
 
1798: „Im Haus der Laune wurden 24 Fensterladenflügel mit 62 aufgesetzten Band Vordertheilern, 10 Schubriegel mit Kapseln und Schaftklöben, dann 18 Vorreiber samt Bügel angeschraubt“ (HHStA, HBA, Bd. 137, 81/134).
 
1799: „Im Haus der Laune auf der Stiegen werden 2 Fensterflügel mit 6 neuen aufgesetzten Banden samt Steften, dann 4 neue 3/0 langen Einfanghagln mit Kloben, dann 6 extra Kloben und 2 Anhänghagln 6/0 lang mit Kloben angeschaft“ (HHStA, HBA, Bd. 137, 14/16).
 
1801: „Anzeige des Bauschreibers Knorr über die durch den Sturmwind geschehenen Beschädigungen am Haus der Laune mit dem Auftrag zur Reparatur derselben“ (HHStA, SHBL, Index „G-N“, p. 7/1801).
 
Nach der Zerstörung des ‚Haus der Laune‘ im Jahre 1809 schien es vorerst einmal vergessen zu sein.  Von 1809 bis 1812 ließ man die Ruine einfach stehen wie sie war. Danach erst begann man über eine Neuerrichtung des Gebäudes nachzudenken. An einen Neuaufbau im Stile des ‚Haus der Laune‘ war aber nicht mehr gedacht. Wohl auch wegen des Todes von der „Erfinderin“ des ‚Haus der Laune‘, Maria Therese, sie war 1807 verstorben, aber auch der enormen Kosten und des Wandels des Zeitgeistes wegen. Die ‚neue‘ Kaiserin, Maria Ludoviva, hatte auch andere Ideen, was sicher wiederum den Kaiser beeinflußt haben mag. Auch Franz I (1804 begründete er das erbliche Kaisertum Österreich und am 6. August 1806 dankte er als Kaiser Franz II. des ‚Heiligen Römischen Reiches‘ ab) schloß sich der Meinung der Fachleute an und wollte schließlich ein „schicklicheres“, schlichtes Lusthaus.    
 
1812 wurden Pläne zur Umgestaltung des zerstörten Gebäudes durch den Architekten Alois Pichl erstellt und dazu gab es einen kaiserlichen Auftrag:
 
„Sie werden die Pläne sowohl als den Aufsatz der Akademie der bildenden Künste zur Prüfung mittheilen und mir das Resultat derselben, so wie die Kosten Überschläge vorlegen. Franz m.p.“ (HHStA, OMeA, Prot. 70, Nr. 283/1812, 11. Februar 1812)
 
1814 hieß es dann: „... das im Jahre 1809 zerstörte Haus der Laune soll auf allerhöchsten Befehl nach dem von Sr. Majestät genehmigten Plan auf der Außenseite sogleich umgestaltet und bis halben September in fertigen Stand gebracht werden.“ (HHStA, SHBL, FASZ. 19, Nr. 284/1814, 31. Juli 1814)
 
Ein Beleg, einzusehen im Haus- Hof- und Staatsarchiv in Wien, berichtet: über einen Befehl Kaiser Franz I.
 
„Das ehemalige Haus der Laune, welches nunmehr auf der Außenseite in ein solides Garten Lusthaus umgestaltet ist, soll nach allerhöchstem Willen Sr. Majestät im Inneren auf eine ganz einfache Art ausgemahlt und meubliret werde; den unteren Theil dieses Lusthauses erlauben Sr. Majestät allergnädigst zum Unterstand für das Publikum, der obere Theil bleibt für die allerhöchste Herrschaft vorbehalten.“ Dazu sind 3.000 fl [Gulden] erforderlich. Zur Möblierung des ehemaligen Haus der Laune wurden 5.000 fl veranschlagt, und „Die innere Decorierung des – auf der Außenseite bereits in ein Gartenhaus umgestalteten ehemaligen Hauses der Laune, wozu auf die Ausmahlung und Meublierung des erdgeschosses und des oberen Stockes 5.000 fl angeschlagen sind, muß auf Allerhöchsten Mündlichen Befehl seiner Majestät ebenfalls in dem Militärjahr 1817 bewerkstelligt werden“.
 
Aus dem berühmten Haus der Laune wurde schließlich ein biederes „Lusthaus im Eichenhain“. Aber auch dieses dürfte durchaus noch sehenswert gewesen sein. Gerhard Dützele von Coeckelberghe („Das k.k. Lustschloß Laxenburg, Wien, 1846“) schreibt darüber:
 
„Dieses barocke, aber immerhin einen tiefen Sinn habende Gartenhaus erlitt im J. 1809 zur Zeit der feindlichen Invasion bedeutenden Schaden und wurde in seiner neuen heutigen Gestalt wieder eröffnet.
 
Dieses Lusthaus besteht heute im Erdgeschoße aus einem eiförmigen Saale mit hoher Decke, und mit vier in Kreuzform anstoßenden Gemächern, auf denen in der oberen Abtheilung vier freie Erker (Balcone) das geräumige Mittelzimmer umgeben, und die köstlichste Aussicht gewähren. Dieses Mittelzimmer ist, in ländlicher Einfachheit, höchst geschmackvoll eingerichtet, während den unteren Saal eine Folge trefflicher Gemälde schmückt, die acht Hauptansichten des Parkes vorstellend, und daher gleichsam ihn selbst in einem täuschenden Auszuge enthaltend.“
 
Noch um die Jahrhundertwende (vom 19. zum 20. Jahrhundert) präsentiert sich das „Lusthaus im Eichenhain“ in halbwegs guten Zustand.


'Lusthaus im Eichenhain' um 1900 (Gemeinde Laxenburg)


Doch das weitere Schicksal des Gebäudes war noch nicht besiegelt. Im zweiten Weltkrieg wurde das ‚Lusthaus im Eichenhain‘ bis auf die Grundmauern zerstört.

 

'Lusthaus im Eichenhain' 1955 (Gemeinde Laxenburg)


Nach dem Zweiten Weltkrieg, nach Abzug der russischen Besatzungsmacht, konnte man immerhin noch die Konturen des Hauses, mit erstem Stock und Dach erkennen. Es ist mir schon klar, daß man damals, ganz andere Sorgen gehabt hat, als eine an sich „wertlose“ Ruine vor weiteren Verfall zu bewahren. Aber schließlich kam irgendwann auch die Zeit des „Wirtschaftswunders“. Ob es auch dann noch unbedingt nötig war dieses Denkmal derart verfallen zu lassen, daß von seiner ursprünglichen Form und Schönheit rein gar nichts mehr zu sehen ist?
 
Im Wintersemester 2002/2003 haben Studenten der TU Wien eine Studie über Restaurierung und/oder Wiederverwertung dieser Ruine erstellt. Die Ergebnisse der Studenten wurden später im Museum Laxenburg präsentiert. Sogar eine Diplomarbeit ist aus dieser „Machbarkeitsstudie“ hervorgegangen (Sitte Kersten hat sie geschrieben: “Parkcafé Haus der Laune im Laxenburger Schlosspark“  [C.J.K.] Diplomarbeit 2003).
 
Ein (wenn auch völlig unzureichender) Versuch den weiteren Verfall meiner „Lieblingsruine“ zu verhindern wurde dennoch unternommen: Die offene Mauerkrone wurden rundum mit „Dachpappe“ abgedeckt und diese mit losen Ziegelsteinen beschwert. Inzwischen ist diese „Dachpappen-Sicherungsmaßname“ längst den Wetterunbilden zum Opfer gefallen. Ob, und wenn ja in welcher Form an eine Verhinderung des weiteren Verfalls, oder gar einer Wiedererrichtung gedacht ist, das steht weiterhin in den Sternen.
 
Die Mauerreste, die man heute besichtigen kann, sind also der traurige Rest aus ‚Haus der Laune‘ und ‚Lusthaus im Eichnhain‘.

 



 

 

Reste einstiger Malerei im 'Lusthaus im Eichenhain'


Seit „Kommissar Rex“, der Einzäunung und der Aufstellung der Informationstafel sind inzwischen Jahre vergangen, der Bewuchs wird zwar klein gehalten, doch das Mauerwerk verfällt zusehends. Den beteuernden, auch auf der Homepage der „SchloßLaxenburg Betriebsgesellschaft“ stehenden Worten. Kann ich daher keinen Glauben mehr schenken:
 
Heute stehen leider nur mehr die Grundmauern des Objektes. Die Schloss Laxenburg Betriebsgesellschaft ist jedoch bemüht, mit Sponsoren dieses wertvolle Gebäude wieder aufzubauen und eine zeitgemäße Verwendung zuführen zu können!“  (W.G.W.S)
 
Das Wien Museum am Karlsplatz ist im Besitz eines Original-Modelles: Eines Modells des „Haus der Laune“ in seinem ursprünglichen Zustand.
 
Zur Eröffnung des „Museum Laxenburg“, nach dessen Umbau und Ausbau, war dieses Modell erstmals zu Gast in Laxenburg. Bemerkenswert an diesem Modell sind natürlich die originalen Farben. Erst die kuriose Buntheit der Bemalung vermittelt einen Eindruck, wie dieses imponierende Haus früher auf Besucher gewirkt haben muß.

 

Modell 'Haus der Laune'

Im Juli 2010 war das Modell neuerlich zu Gast im Museum Laxenburg. Von dort stammt das obenstehende Photo.


Und so kommt ihr dort hin: Wegstrecke etwa 1 km


 
  
Details vom Modell ‚Haus der Laune‘