Dienstag, 26. April 2016

Denkmal Joseph II

 

… ein Denkmal für’n Onkel Josef

 
Denkmal Joseph II   Wien, Josefsplatz
 
 
Nicht nur Wiener werden dieses Denkmal von Kaiser Josef II. wahrscheinlich schon einmal gesehen haben. Es steht – wo denn sonst – am „Josefsplatz“ im ersten Wiener Gemeindebezirk bei der Hofburg. Im Rücken des Kaisers befindet sich die Österreichische Nationalbibliothek und der Kaiser, hoch zu Rosse, grüßt hinüber zum Palais Pallavicini.
 
Kaiser Josef II. war der erste Kaiser, dem in Österreich ein Denkmal errichtet wurde, das auch öffentlich zugänglich war. Allerdings, ein kaiserliches Denkmal gab es schon früher: Im Burggarten war ein Denkmal für Kaiser Franz Stephan I. errichtet. Der Burggarten war aber damals nicht öffentlich, sondern nur für die kaiserliche Familie zugänglich. Und ich nehme aber einmal an, auch die Gäste der kaiserlichen Familie durften dort hinein.
 
Das Denkmal Josef II steht auf einem großen quadratischen Sockel aus Granit, eingefaßt von sechzehn niedrigen Pollern die mit Eisenketten verbunden sind. An den vier Eckpunkten erheben sich hohe Rundsäulen mit einer Art Haube aus Bronze darauf. An den Rundsäulen sind jeweils vier mit Lorbeerkränzen umgebene Medaillons befestigt. Über drei Stufen erhebt sich dann ein mächtiges Podest und darauf, auf stolzem Roß, die Hand zum Gruß erhoben, der Kaiser.
 
An den Längsseiten des Podestes sind Reliefs eingelassen wovon das Rechte den Kaiser als Förderer des Handels darstellt. Das an der linken Seite befindliche Relief soll den Herrscher als Förderer des Ackerbaus erschließen. Handel und Ackerbau scheint also auch damals wichtig gewesen zu sein.
 
An der Vorderseite des Podests ist eine Tafel angebracht auf der zu lesen steht wer denn das dort oben eigentlich ist:


 



 
Auf deutsch: Kaiser Joseph II., der für das Allgemeinwohl lebte, nicht lange, aber ganz.
 
Auch an der Rückseite ist eine Tafel zu sehen auf der sozusagen der „Spender“ des Denkmals genannt ist:

 



 
Ergänzung: ROM[anorum]; AVST[riae]
 
Also: Franz, Römischer und Österreichischer Kaiser, vom Bruder (her) Neffe, (seinem) zweiten Vater gewidmet. 1806
 
Die Denkmalenthüllung am Josephsplatz erfolgte erst im November 1807. 1806 war Franz als Kaiser Franz II. auch (noch) Kaiser des ‚Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation‘, danach ja „nur mehr“ Kaiser Franz I. von Österreich.
 
In Auftrag gegeben wurde dieses Reiterstandbild – zu Ehren und in Gedenken an seinen Onkel, den verstorbenen Kaisers Joseph II. – von Kaiser Franz II. (I.) Der damals sehr bekannte Bildhauer Franz Anton Zauner (*1746 in Tirol, 1822 in Wien) sollte es anfertigen. Und der Herr Zauner hat sich die Statue des Marc Aurel zum Vorbild genommen. Und darum sitzt der arme Kaiser Franz in keinem vornehmen Sattel, sondern auf einer einfachen Pferdedecke und auch auf herrschaftliche Steigbügel mußte er verzichten. Aber dafür ist Kaiser Franz I. deutlich ‚fescher‘ gekleidet als der arme Marc Aurel.
 
Täusch‘ ich mich? Irgendwie hör‘ ich euch, liebe Leser, ringsum rumoren …. „Gut und schön, aber was hat das alles mit Laxenburg zu tun?“
 
Gemach! Liebe Leute. Ich bin ja schon dabei es zu erklären ….
 
Vor Jahren, na ja, weit mehr als einem Jahrzehnt, hab‘ ich die ‚Reisebeschreibung‘ von Franz de Paula Gaheis „Wanderungen und Spazierfahrten in die Gegenden um Wien“ gelesen, vom Autor 1801 geschrieben, wo er ein umfangreiches Kapitel dem Schloßpark Laxenburg gewidmet hat.
 
Und dort hat Herr Gaheis geschrieben:
 
„… Der hereinbrechende Abend erinnerte uns nun an die Rückkehr aus dem äußersten Ende des Parkes. Schon nahe an dem Schloßgebäude wandete sich unser freundschaftliche, biedere Führer auf denjenigen Platze, welcher einst der Lieblingsspaziergang Marien Theresiens war. Wir segneten ihr Andenken, und gingen noch weiter vorwärts, das Theater vorbey, rechts in eine mit Spalieren eingefaßte und mit mehreren Springbrunnen versehene Gartenabtheilung, welche von den meisten Spazierenden unbesucht bleibt, weil der Weg dahin von den übrigen Parthien mehr abgelegen ist.
Hier ruht auf einem Rasenhügel von einem marmornen Piedestal getragen, Joseph ll. zu Pferde. Eine herrliche Arbeit aus gelben Metall, und von unserem berühmten Zauner gefertigt! Rechts am Fußgestelle ist in halberhobener Arbeit der Ackerbau, die Viehzucht und die Gesetzgebung, links Industrie und Handlung personificirt dargestellt. Die Arbeit trägt das Gepräge griechischer Vollendung. Wir schenkten ihr einhellig unsere Bewunderung. Aber mit Rührung lasen wir folgende wzey Inschriften:      
 
D. Josepho ll. Rom. Imp.
Principi. In suorum. Animis. Immortali.
Ex. fratre. Nepos. Alteri. Parenti.
Posuit. …”
 
Die Übersetzung nach Herrn Gaheis lautet:
 
Joseph dem Zweiten, römischer Kaiser, dem in den Herzen der Seinigen unvergeßlichen Fürsten, setzte dies Denkmal sein Neffe Franz ll. römischer Kaiser, als seinem zweyten Vater.“
 
Na ja, seit 1801 sind ein paar Jährchen vergangen. Wo also ist dieser „Platze, welcher einst der Lieblingsspaziergang Marien Theresiens war“? Und vor allem: Wo soll dieses rießige Denkmal gestanden haben und wie ist es nach Wien gekommen? „Das Theater vorbey, rechts in eine mit Spalieren eingefaßte und mit mehreren Springbrunnen versehene Gartenabtheilung…“ Dort ist nix, außer Botanik!
 
Ich weiß nicht mehr genau wo ich das gelesen haben (ich meine es war bei F.C. Weidmann?), aber irgendwann hab‘ ich es mitgekriegt: Das was hier in Laxenburg gestanden hat war das Modell des Denkmals Josef II. Dieses Modell wurde 1796 angefertigt und ‚im Gärtchen Ihrer Majestät‘ aufgestellt. 1808 wurde es dann vom Schloßpark Laxenburg nach Schönbrunn übersiedelt. Neben dem „Sonnenuhrhaus“, auf einer kleinen Lichtung, hat es einen neuen Standplatz gefunden.  
 

Modell Denkmal Joseph II, Schönbrunn


Modell und Original unterscheiden sich, außer natürlich in der Größe, nur unwesentlich. Der mächtige Sockelunterbau des Modells, der es ein wenig unproportioniert erscheinen läßt, ist beim Original natürlich nicht vorhanden. Andererseits fehlen beim Modell die kleinen, mit Ketten verbundenen „Poller“ zwischen den Eckpfeilern. Die Inschriften an Stirn- und Rückseite weichen textlich ebenfalls ein wenig ab und die beiden Reliefs an den Seiten des Denkmals unterscheiden sich in winzigen Details. Abgesehen vom Faltenwurf der Kleider, Details an den Gebäuden etc., hat man im Original sowohl dem spärlich bekleideten Hermes, als auch dem geflügelten Genius – weil offensichtlich für notwendig befunden – jeweils ein „Feigenblatt“ an der relevanten Stelle verpaßt.

 

Relief 'Handel', im Modell


Relief 'Handel', im Original


 
Relief 'Ackerbau'
 

Zum Glück gibt es Pläne aus dieser Zeit. Einer davon liegt ganz zeitnah zu der Schilderung von Herrn Gaheis: Plan von ‚Czollitz‘, 1803. Der andere, ein wenig später gezeichnet von ‚Viebeck‘, 1813. Auf beiden ist der Standort des Modells des Denkmals für Joseph II. deutlich zu erkennen. Nicht täuschen lassen, die Pläne sind bezüglich der ‚Himmelsrichtung‘ unterschiedlich gezeichnet. Im Bild von „Google Earth“ stimmt ‚Norden‘ aber zuverlässig.

 

Plan Czollitz, 1803


Plan Viebeck, 1813







Denkmal Josepf II, Wien Josefsplatz