Samstag, 23. April 2016

Fähre in Laxenburg


… Wege zur Franzensburg
 
 
 
 
Sie steht ja auf einer Insel, die Franzensburg. Rundherum ist Wasser. Will man diese romantische (fast) Rittersburg besuchen oder, weit besser, sogar besichtigen, dann muß man aber irgendwie auf diese Insel kommen.
 
Also von der (fast) Ostseite ist die Insel, nach einen etwas längeren Spaziergang, via Gotische Brücke, Turnierplatz, dann über die „Eiserne-“ und letztendlich die Stein-, oder Dreibogenbrücke zu erreichen. Auf dem mittleren Bogen der Dreibogenbrücke, auf der der Franzensburg zugewendeten Seite, ist der Namen des Bauherrn: FRANCISCUS.I. und auf der anderen Seite das Jahr der Erbauung: MDCCCXXXII., also 1832 zu sehen.
 
 
 
 



 
 
Von der (fast) Westseite müßte man aber zur Burg hinüberschwimmen. Jedenfalls in den eisfreien Monaten. Müßte man, muß aber nicht, denn schon seit 1811 gibt es eine Fähre, die uns trockenen Fußes über den Schloßteich zur Franzensburg, vorerst eigentlich zur Knappenburg, bringt.
 
Damals hat die Fähre ein wenig anders ausgesehen als heute und der „Fährmann“ mußte sich körperlich ganz gehörig anstrengen, um seine Passagiere rasch und sicher an’s andere Ufer zu bringen.
 
In den 20’er Jahren des 19. Jahrhunderts hat diese Fähre wahrscheinlich sehr ähnlich ausgesehen, wie sie der Maler Eduard Gurk (* 17. November 1801 in Wien; † 31. März 1841 in Jerusalem) auf einer wunderschönen Zeichnung festgehalten hat. Leider konnte, vielmehr wollte ich die Rechte an diesem Bild der doch erheblichen Kosten wegen nicht erwerben, aber auf der Heimseite der „Albertina“ in Wien“ könnt ihr, wenn ihr wollt, diese Zeichnung besichtigen.
 
(Ein Tip: mit dem „X“ in der ‚Werkzeugleiste könnt ihr das Bild vergrößern und ‚Esc‘ auf eurer Tastatur macht es wieder klein)
 
 

Link zur „Albertina Wien  ß zur Homepage der „Albertina“

Auf dem Bild von J. u. E. Gurk, wenn ihr es denn auf der Heimseite der „Albertina“ angesehen habt, sieht man ganz am linken Rand eine der beiden markanten Säulen, die auch heute noch, in sehr ähnlicher Form, bei der Anlegestelle am Ufer des „Festlandes“ vorhanden sind. Damals wie heute war an der rechten Säule eine Glocke montiert mit der man dem Fährmann seinen Wunsch ankündigen konnte zur Burg übersetzen zu wollen.
 
F.C. Weidmann beschreibt das Prozedere im Jahr 1827 folgendermaßen:
 
„Dem angezeigten Fußpfade folgend, gelangen wir nun an den großen, an 72000 q Klafter haltenden Teich, welcher die Franzensburg umgibt, die aber noch nicht vollendet ist. Hier ist die sogenannte Überfuhr. Eine Klingel am Ufer verkündet die Anwesenheit der Fremden, und sogleich setzt sich das schöne Schiffchen, durch eine Maschine in Seilen geleitet, in Bewegung, sie hinüber zu holen, nach der Ritterburg.“
 
An der grundsätzlichen Technik des Antriebs dieser Fähre hat sich seit Inbetriebnahme im Jahre 1811 bis heute nicht viel geändert. Der Erfinder Franz Besetzny (*1781, †1857), er erfand u.a. eine „Dampfkanone“ (etwa so etwas wie ein Maschinengewehr) die 250 Schuß in der Minute abfeuern konnte, erdachte auch die Antriebs-Konstruktion für die Fähre in Laxenburg. Zwei fix verankerte Fahrseile, am Ufer und beim Knappentor befestigt, halten das Schiffchen auf „Spur“, während ein Zugseil für den Antrieb sorgt. Dieses Prinzip wird heute noch verwendet.
 
Man muß schon sehr gute Augen haben, um auf dem obigen Bild den auf der Fähre stehenden, in schwarz gekleideten Mann in gebückter Haltung zu erkennen. Das ist der „Fährmann“. Mit erheblicher Muskelkraft dreht er eine Kurbel und treibt damit eine Rolle an, über die in mehrfachen Schleifen das zwischen Festland und Knappenburg gespannte Zugseil gewunden ist. Durch den dadurch erzeugten Reibungswiderstand wird das „Schiffchen“ zwangsweise in Bewegung gesetzt und je nach Drehrichtung zum Festland oder zur Burg hin bewegt. Man mag es nicht für möglich halten, aber diesen „manuellen“ Antrieb habe ich noch selbst erlebt.
 
Die schweißtreibende Arbeit der Fährleute gehört jedoch der Vergangenheit an. Um das Gefährt in Bewegung zu setzen beschränkt sich die manuelle Tätigkeit des Fährmannes bei dem 1964 neu gebauten Fährschiff auf das Betätigen eines Schalters. Ein leise schnurrender Elektromotor sorgt dann für den Antrieb.
 
Diese Art der durch Leinen „gebundenen“ Fähre nannte man damals, auf Plänen und Zeichnungen kann man es nachlesen, „Fliegende Brücke“.
 
Sicher hat Eduard Gurk sein Bild von Franzensburg und Fähre weit nach 1825 gemalt. 1825 wurde erst mit dem ‚Vereinigungsbau‘ von Franzensburg und Knappenturm begonnen. Zuvor standen Burg und Knappenturm, von einen Wasserarm getrennt, auf separierten Inseln. Auf der Zeichnung von Gurk ist aber zu sehen, daß „Ritterburg“ und „Knappenhaus“ bereits verbunden sind (die endgültige Fertigstellung erfolgte erst 1835) und auf einer gemeinsamen Insel stehen.
 
Die Flächenangabe die Herr Weidmann im Jahre 1827 für den Schloßteich behauptete darf anzweifelt werden. Er schreibt ja: „… an den großen, an 72000 q Klafter haltenden Teich, …“.
 
Ein Wiener Klafter (das waren 6 Wiener Fuß á 31,6 cm) hatte eine Länge von etwa 1,8965 Meter. Somit entsprach ein Quadratklafter der Fläche von etwa 3,597 m². Und 72000 q Klafter (Quadratklafter) wären dann umgerechnet etwa 260.000 m² oder 26 Hektar. Selbst heute wird die Fläche des Teiches mit lediglich 25 ha, also 250.000 m² angegeben.
 
1827 war der Teich jedoch noch lange nicht bis zum östlichsten Teil, bis zum „Achauer-Spitz“, ausgehoben. Zwar existierten dafür bereits Pläne, aber die Ausgrabung des Teiches bis zu seiner heutigen Größe begannen erst 1838.
 
Ab dem späten Herbst, den Winter über, bis in das Frühjahr hinein (etwa ab Allerheiligen bis Ostern) wird der Fährbetrieb eingestellt und die Fähre auf ihren Winterplatz gestellt.
 
An Stelle der Fähre wird ein fester Steg montiert, der dafür sorgt, daß man auch bei fehlenden Eis und Schnee sicher vom Festland zur Knappenburg und damit auch zur eigentlichen Franzensburg gelangen kann. Zur Montage des Stegs wird das Wasser im Teiches zuerst weitgehend abgelassen und danach bis zu einen verminderten Wasserstand wieder ‚aufgefüllt‘.