Freitag, 22. April 2016

Ritterspiele in Laxenburg


Turnierplatz

 

 
Turnierplatz
 

Bereits 1791 wurde im Schloßpark Laxenburg ein „Turnier“ veranstaltet. Der damals 23-jährige Erzherzog Franz, Sohn des Regenten Kaiser Leopold II hatte es veranstaltet. Natürlich nicht auf dem Turnierplatz im auch heute noch so genannten ‚Rittergau‘. Weder Rittergau, noch Turnierplatz hat es damals schon gegeben. Außer vielleicht, wer weiß das schon, in der ‚ritterlichen‘ Gedankenwelt des Erzherzogs, der ja schon ein Jahr später seinem Vater als Kaiser Franz II folgen sollte.
 
Auf einem Aquarell eines Hieronymus Löschenkohl aus dem Jahr 1791 ist dieses Turnier zeichnerisch dargestellt: Man sieht einen nicht allzugroßen Reitplatz, eingefaßt von einem Holzgeländer. Entlang des Geländers stehen Zuseher. Für die hohen Herrschaften ist an der Stirnseite des rechteckigen Platzes eine Art überdachte Tribüne aufgestellt und dieser gegenüber etwas, das ein wenig wie ein gotisches Tor aussieht. Wo diese (temporäre) Turnier-Staffage aufgestellt war? Also sicherlich irgendwo im damaligen (noch wesentlich kleineren) Schloßpark. 
 
Geplant wurde der heutige Turnierplatz, wie auch der gesamte Rittergau, im Jahre 1799. Ein „Bauprogramm“ aus diesem Jahre, betreffend einige neue Gartenanlagen hält fest:
 
Neue Gartenanlagen „… auf den neu eingelösten Gründen an der Seite gegen Achau wurden in einem Plane zur Genehmigung vorgelegt und bestehen aus der Ausgrabung eines Teiches, Errichtung eines Turnierplatzes, Erbauung zweier Schleusen aus Quadersteinen, … „und das Oberstkämmereramt eröffnete, daß bei diesen Bauwerken die allerhöchsten Befehle auf das Genaueste zu befolgen seien. (HHStA, SHLB, Index „A-F/V“, p. 1/1799)
 
Fertiggestellt wurde die Anlage 1802 und im Jahr darauf schreibt die damals 12 jährige Erzherzogin Marie Louise (Maria Louise, Erzherzogin, Kaiserin von Frankreich; *12.12. 1791 in Wien, †17.12. 1847 in Parma) in einem Brief an ihren Vater, Kaiser Franz II. :
 
„Wir waren dieser Täge in dem Turnierplatz wo daß Muster des Schlosses Habsburg ist man thut davon das Dach aufheben und da ist eine Rolle mit Verse welcher dieser Schweizer über dieses Schloß verfertigt hat. Es ist ganz zum zerlegen und ist sehr schön gemacht. Gestern waren viele Leute heraußen in Ritterschloß waren zwey Geselschaften und eine davon war sehr zahlreich, .... „
 
Die Größe dieses Turnierplatzes wird in mancher Literatur mit einer Breite von 25 Metern und einer Länge von 50 Metern angegeben. Tatsächlichen ist die Anlage, in Google Earth gemessen, aber annähernd doppelt so groß. Der Turnierplatz ist rechteckig, etwa 100 Meter lang und ungefähr 50 Meter breit. An der Stirnseite befindet sich die ‚Kaiserloge‘. Heute sind die Innenwände der Kaiserloge kahl und leer. Doch einst waren sie mit Fresken bemalt die ‚Ritterszenen‘ darstellten.

 

Kaiserloge


Jeweils in der Mitte der beiden Längsseiten ist eine Loge für die ‚Richter‘ in die den Platz umgebende Mauer integriert und in jeder der vier Ecken der Schmalseiten befinden sich Eingangs- oder ‚Einreittore‘ für die ‚Turnierteilnehmer‘.

 

Schiedsrichter Loge
 
 
Die ‚allerhöchsten Herrschaften‘, Kaiser, samt Gefolge und honorigen, adeligen Gästen betrat die Kaiserloge über einen eignen Aufgang.
 

"Kaiser-Aufgang'


Die Pfeiler der beiden Tore an der Seite der Kaiserloge sind mit Ritterfiguren geschmückt.

 

 


 

Zwei dieser Ritterfiguren waren nach Abzug der Besatzungsmacht, wie vieles andere im Schloßpark auch, desolat und mußte erneuert werden. Der 1923 in St. Stefan ob Stainz in der Steiermark geborene Bildhauer und Maler Josef Papst, der ab 1964 in Laxenburg beheimatet war, hat die Ritterfiguren neu angefertigt. Es wird erzählt, daß Josef Papst einem der Ritter sein eigenes Antlitz gegeben hat.

 

 




Josef Papst verstarb am 16. August 2010. Sein Grab befindet sich am Friedhof in Laxenburg.
 
Die beiden der Kaiserloge gegenüberliegenden Tore tragen anstelle von ‚Rittern‘ ‚Löwenfiguren‘ die Wappen in den Tatzen halten.

 

 


Früher wurde dieser große rechteckige Platz auch „Carousselplatz“ genannt. Diese Bezeichnung trifft auch eher auf diese Art Veranstaltungen zu, die dort abgehalten wurden. Obwohl der Turnierplatz zum „Rittergau“ gehört, war er dennoch nie Turnierplatz im Sinne von „Ritterturnieren“ wie wir sie vielleicht in Filmen gesehen haben. Carouselle waren Reit- und Fahrveranstaltungen, bei denen die Protagonisten (Mitglieder des Kaiserhauses und des Adels) ihre Reit- und Fahrkünste unter Beweis stellten.
 
Über diese Anlage, die angeblich nach dem Turnierhof im Schloß Rosenburg am Kamp angelegt wurde, schreibt Quirin Ritter von Leitner in seiner 1878 erschienenen „Monographie des Kaiserlichen Lustschlosses Laxenburg:
 
„Es ist dies eigentlich ein großer Carrousselplatz, der alsbald nach seiner Erbauung, wenn auch nicht zu Turnieren, wie seine Bezeichnung vermuthen ließe, wohl aber zu glänzenden Aufzügen und Carroussels benütze wurde, unter denen jenes hervorgehoben zu werden verdient, welches im Jahre 1810 am 25. August zum Namensfeste der Kaiserin Maria Louise gegeben wurde, wobei der Kaiser und sämtliche Erzherzoge mitritten, und zu dem der ganze Adel, das diplomatische Corps und über 10.000 Zuschauer erschienen waren. Glänzende Carroussels veranstaltete in diesem Raume auch das Officierscorps von Palatinal-Husaren und später jenes des Cürassier-Regiments Albert von Sachsen. Am 27. Juli 1841, gelegentlich der festlichen Eröffnung des Gebäudes auf der Mariannen-Insel, wurde auf Befehl des Kaisers von der Guerra´schen Kunstreiter-Gesellschaft auf dem Turnierplatz Carroussel geritten, und hierauf ein römisches Wettrennen gegeben.“

 

Kultur und Museumsverein Laxenburg, Albert Riemensberg, "Carousselreiten auf dem Turnierplatz", 1818; Foto H. Suck

 
Das obige Bild stellt ein sogenanntes „Caroussel“, also ein Schaureiten zu Pferd dar. Im Hintergrund erkennt man die „Kaiserloge“ und links und rechts an den Bildrändern die fahnengeschmückten Logen für die (Schieds-) Richter. Deutlich erkennt man auch, daß der Turnierplatz einst Zuseher-Galerien besessen hat. Die Steinfundamente dieser Holzgalerien sind an manchen Stellen heute noch zu sehen.

 

 


 

Jährlich fand und findet auch 2016 (veranstaltet vom „forum antiquum“) ein ‚Ritterfest‘ im Schloßpark Laxenburg statt. Bereits 2015 war der Standort nicht mehr, wie all die Jahre zuvor, der ‚Turnierplatz‘. Nicht alleine unter dieser Veranstaltung, auch unter den Witterungseinflüssen und dem Mangel an Instandsetzungs-Arbeiten hat dieser historische Platz   einigermaßen ‚gelitten‘. Die Anzahl der Querstangen aus Holz auf dem auf der Mauer befindlichen ‚Geländer‘, das die Besucher vor einem Sturz auf das wesentlich tiefer liegenden ‚Turnierfeld‘ schützen soll, sind von Jahr zu Jahr weniger geworden. Natürlich weiß ich es nicht mit Sicherheit, aber ich möchte annehmen, das Fehlen vieler dieser Stangen (ich habe zuletzt 12 gezählt) war auch schon 2015 der Grund dafür das ‚Ritterfest‘ vom Turnierplatz an andere Stellen des Parkareals zu verlegen.
 
Seit nunmehr 2 Jahren teilt der Turnierplatz nun das Schicksal mit der benachbarten ‚Grotte‘, die allerdings schon weitaus länger für Besucher unzugänglich ist: er ist abgesperrt. Warum genau diese Absperrungen erfolgt sind? Das erfährt p.t. Publikum nicht. Weder bei der ‚Grotte‘ und nicht beim Turnierplatz. Kein schriftlicher ‚Anschlag‘, aber auch kein Wort davon auf der Heimseite der Schloß Laxenburg Betriebsgesellschaft.
 
Eine besondere Veranstaltung, die so gar nichts mit Reiterei zu tun hat, fand am 6. September 1810 hier am Turnierplatz statt. Leset und staunet: Hier am Turnierplatz fand schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts die erste „Flugshow“ statt. In Österreich, in Laxenburg: ( à siehe Beitrag „Flugschau in Laxenburg“ )
 
Jakob Degens
erstes
Aufsteigen mit der Flugmaschine
in Verbindung mit dem Luftballe
ohne Leitschnur
unternommen
in Gegenwart und auf Kosten Sr. Majestät des Kaisers
aus dem Parke des k.k. Lustschlosses zu Laxenburg
 
 
... und so kommt ihr dort hin ...   (Wegstrecke ~ 1,3 km)