Donnerstag, 12. Mai 2016

Die "Einsiedelei" im Schloßpark Laxenburg


zuerst war ... das „Monument




 
 
Die Marmor-Büste, die auf einem grauen Granitsockel steht, ist ein Werk des Bildhauers Giovanni Battista Comolli (* Valenza (Piemont), 1775; † Mailand, 1830) und sie wurde der Kaiserin Karoline Auguste, der vierten Gattin Kaiser Franz I., von der Stadt Mailand geschenkt. Errichtet wurde das Denkmal im Schloßpark Laxenburg allerdings erst im Jahre 1836, ein Jahr nach dem Tode des Kaisers. Als Standort für ein Denkmal Kaiser Franz I. stand dieser Platz allerdings schon weit früher fest.

 
Die „Wiener Zeitschrift für Kunst, Literatur, Theater und Mode“ veröffentlichte in ihrer Ausgabe Nr. 118 bereits am 2. Oktober 1827 einen Bericht von Franz Carl Weidmann: Das Kaiserl. Königl. Lustschloß und der Park Laxenburg“. Dort schreibt Herr F.C. Weidmann:  
 
„Hat man nun auf dem angedeuteten Weg die Allee verfolgt, und die hier über den, durch den Garten strömenden Schwechatbach führende Brücke überschritten, so steht man auf einem kleinen freyen Platze, von welchem sich rechts und links Wege schlängeln. Hier findet man auf unserem Plane angedeutet: Monument Sr. Majestät. Selbes ist in diesem Augenblicke noch nicht aufgestellt, sondern wir haben es in dem Plane anticipirt. Ihre Majestät die Kaiserin haben nemlich von der Stadt Mailand eine treffliche kolossale Büste Sr. Majestät des Kaisers in carrarischem Marmor zum Geschenk erhalten, welche zur Aufstellung an dem oben erwähnten Platze bestimmt wurde, und eine neue Zierde des Parkes bilden wird.“


Ausschnitt aus Plan bei Weidmann
 
Auf dem Sockel der die Büste des Kaisers trägt sind Beschriftungen angebracht. Auf der Vorderseite ist zu lesen wem die Statue gewidmet ist:

 

 
 

… und auf der Rückseite würdigt die trauernden Witwe Caroline Auguste (vierte Gemahlin des Kaisers) die Begeisterung ihres verstorbenen Gatten für diesen Park mit den Worten:
 



 
Zum Glück brauch ich meine nur mehr in homöopathischen Dosen vorhandenen Kenntnisse der lateinischen Sprache nicht zu bemühen, denn es gab freundliche Leute, die die Beschriftung auf dem Granitsockel übersetzt haben.
 
Vorne steht also: „Franz, Kaiser von Österreich, geboren in Florenz am 12. Februar 1768, gestorben zu Wien am 2. März 1835.“
 
Und auf der Rückseite: „Dem wahrhaft weisen hochsinnigen Kaiser, welcher sich in diese, von ihm wunderbar gepflegten Gärten von den Regierungsgeschäften zu Erholung zurückzog. Er kannte die Namen und Abstammung der Pflanzen und Bäume. Sein frommer und einfacher Sinn pflegte sich an der Naturschönheit seines Aufenthaltsortes und an den ländlichen Unterhaltungen zu ergötzen. Die über seinen Tod tiefbetrübte Gemahlin Karoline Augusta“.
 
Nun bin ich ja nicht wirklich ein Freund der Monarchie. Aber… Um der Wahrheit die Ehre zu geben, mein Laxenburg wäre mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ohne die Einflußnahme des Hauses Habsburg weit weniger attraktiv für Besucher aus, nun ja, aus aller Welt (und auch für mich J). Es gäbe keine Schlösser, keine Ritterburg, keine Palais und wahrscheinlich auch keine internationalen Institute (IIASA = Internationales Institut für angewandte Systemanalyse, und IACA = International Anti Corruption Academy). Vor allem aber gäbe es nicht diesen bezaubernden Schloßpark, in dem ich mehrmals in der Woche meine Runden drehen darf!
 
Und genau dieser Schloßpark ist es doch, der Besucher aus Nah und Fern hierher in dieses wunderschöne Laxenburg lockt. Manche werden vielleicht nur eine mehr, oder minder ausgedehnte Wanderung durch die faszinierende Landschaft des Schloßparks unternehmen wollen. Die meisten Besucher werden aber von zwei Attraktionen wie von einem Magnet angezogen:  Sie wollen am Schloßteich „Schifferlfahren“ und viele von ihnen wollen auch eine „Ritterburg“, die Franzensburg besichtigen.
 
Und wer hat's erfunden? Richtig! Kaiser Franz II. / I.    ß Link zu „Die Welt der Habsburger“
 
Durch einen Park wandern (sollte es überhaupt einen solchen, und wenn ja in dieser mächtigen Dimension geben), das könnten diese Besucher wahrscheinlich allemal. Aber Bootfahren auf einem Schloßteich, eine „Ritterburg“, die Franzensburg besichtigen, das könnten sie definitiv nicht. Das könnten natürlich auch wir „Hiesigen“ und unsere Nachfahren nicht, hätte es nicht diesen Kaiser Franz I. gegeben. Sowohl der große Teich, als auch die Franzensburg wurden ja unter seiner Regentschaft erdacht, geplant und auch errichtet. Wenn ich so durch den wunderschönen Schloßpark spaziere, dann frage ich mich schon mitunter: Wie würde der Schloßpark Laxenburg heute aussehen ohne die „Bauwut“ dieses Kaisers, ohne die schrulligen Ideen seiner zweiten Gattin, der Kaiserin Maria Theresia von Bourbon-Neapel, sowie ohne des Einfallsreichtums und der Tatkraft seines arbeitsamen Schloßhauptmannes, des Johann MichaelRiedl, Edler von Leuenstern?

 

 
"Das Monument", Denkmal Franz I.

 

Nicht alleine der Schloßteich und die Franzensburg, auch der sogenannte „Rittergau“ mit Rittergruft, Rittersäule, mit Grotte, gotischer Brücke und Turnierplatz wurden damals „erfunden“ und verwirklicht.
 
Nicht nur Franz II./I., auch Kaiserin Marie Therese, seine zweite Gemahlin, hatte ganz wesentlichen Anteil am Konzept und der Ausgestaltung des Parks. So skurrile Anlagen wie das ‚Fischerdörfl‘ am Forstmeisterkanal, die ‚Einsiedelei‘, aber auch das damals weit über die Grenzen des Landes berühmte ‚Haus der Laune‘, sollen von ihr erdacht, ihre „Erfindungen gewesen sein. Leider ist von all den kuriosen Bauten heute, mit Ausnahme der Ruine des ehemaligen Hauses der Laune, nichts mehr zu sehen.
 
Ein leereres Staatssäckel ist offensichtlich keine Besonderheit der neueren Zeit. Offenbar hatte damals auch ein Kaiser (wenn auch wegen anderer Ursachen) unter den finanziellen Nöten der Staatskasse, aber auch unter der Gemächlichkeit seines eigenen Beamtenapparates zu leiden.
 
Franz II./I. nahm also kurzerhand so etwas wie eine „Privatisierung“ vor, um seine zahlreichen baulichen Vorhaben im Schloßpark zu beschleunigen. In der „Monographie des kaiserlichen Lustschlosses Laxenburg“, von Quirin Ritter von Leitner, kann man es nachlesen:
 
„Um die Neuanlage des Parkes rascher durchführen zu können, befahl der Kaiser am 2. März 1794, die Herrschaft Laxenburg aus kaiserlichen Privatmitteln anzukaufen und dem geheimen Kammer Zahlmeister Hofrath Mayer zur künftigen Administrirung zu übergeben. Der formelle Abschluss des Kaufcontractes erfolgte erst am 2. Juli 1797. (k.k. Hofkammer Archiv)
 
Mit der speciellen Amtsführung in Laxenburg wurde vorläufig der Cassier am geheimen Kammer‑Zahlamte, Michael Riedl betraut, und derselbe später zum wirklichen Schlosshauptmann ernannt. Den Park von Laxenburg mit seinen mannichfachen Zierbauten schuf der Kaiser zum grössten Theil bereits in den beiden ersten Decennien seiner Regierung. Nicht geringer Antheil an diesen prachtvollen Schöpfungen fällt auf des Kaisers zweite Gemahlin, die schöne, lebensfrohe Kaiserin Maria Theresia. So lange sie lebte, war Laxenburg der stetige Sommeraufenthalt der allerhöchsten Herrschaft. Jedes Jahr wusste der Kaiser seine Gemahlin mit einer neuen Anlage (k. k. Oberstkämmerer Amts Registratur 1808, Nr. 1962.) oder mit neuen Verschönerungen des Gartens zu überraschen.“
 
Ein feiner, allerdings sehr bemerkenswerter Unterschied zu der heute üblichen Art etwas zu 'privatisieren' soll jedoch keinesfalls unerwähnt bleiben: Quirin Leitner schreibt weiter:
 
„Als die Bauten beendet waren, übertrug der Kaiser mittels Handschreibens an den Fürsten Trautmannsdorf vom 11. Juni 1811 das Schloss und den Park von Laxenburg, "mit Ausnahme der in der Franzensburg befindlichen Prätiosen, Wagen und sonstigen Alterthümer", wieder an den Kameral‑Aerarium zurück.“ (k. k. Obersthofmeister Amts Registratur, Patrimonial Acten 1811, Nr. 316, und Oberstkämmerer Amts Registratur 1811, Nr. 1851.)
 
An genau diesem Platz, wo heute das Monument des Kaiser Franz I. steht, befand sich einst eine der skurrilen „Erfindungen“ der Kaiserin Marie Therese: Die „Einsiedelei“. Errichtet wurde diese „Eremitage“ 1798 nach einen Entwurf des Hofarchitekten Johann Ferdinand Hetzendorf von Hohenberg. In ihrer ursprünglichen Form bestand sie bis zum Jahre 1809. Damals fiel diese Staffage den siegreichen Soldaten Napoleon’s zum Opfer.

 

Laurenz Janscha: "Einsiedelei in Laxenburg", um 1800    ß Link zu „Albertina Wien“


Wie diese ‚Einsiedelei‘ damals, so etwa um die Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert ausgesehen hat? Gute Frage. Wer das wissen möchte, der muß das obige ‚Puzzle‘ zu einem vollständigen Bild zusammenstellen. Am leichtesten geht das, wenn ihr dem Link zur ‚Albertinain Wien‘ folgt. Diesem Museum ‚gehört‘ (angeblich) dieses Aquarell von Laurenz Janscha und weil die ‚Rechte‘ es direkt zu zeigen sündhaft teuer … aber darüber hab‘ ich ja schon oft genug gejammert.
 
Natürlich hauste in dieser Einsiedelei niemals wirklich ein Eremit. Auch als Ort der inneren Besinnung und des Gebetes scheint die Einsiedelei wenig geeignet gewesen zu sein, wie in diversen Beschreibungen dieser Zeit darüber zu lesen ist.
 
Wer könnte uns besser über das Aussehen und die Eigentümlichkeiten dieser Einsiedelei erzählen als ein Zeit- und Augenzeuge. Lassen wir also (wieder einmal) Franz de Paula Gaheis zu Worte kommen, der 1801 in seinen „Wanderungen und Spazierfahrten in die Gegenden um Wien“ diese Einsiedelei wie folgt beschrieben hat:
 
Nach Tisch gingen wir, von unserem Führer geleitet, den noch übrigen Theil des Parkes zu besehen. Wir wendeten uns links bey dem Uhlenfeldischen Gebäude hinüber. Das erste worauf wir kamen, war die Einsiedeley.
 
Unter einem ärmlichen Dache ruhen auf Steinfelsen 2 Einsiedler in Lebensgröße, einer in bethender, der andere in sammelnder Stellung. Auf einer Tafel lieset man die Aufschrift:
 
Jehova! Du bist unermessen, Und was du thust, ist wohl gethan ;
Du hast nicht deines Knechts vergessen, Hier kniet er, und bethet an.
 
Dieser als Aufschrift angebrachte bedenkungsvolle Spruch erhielt allgemeinen Beyfall:
 
Mensch, König der Erde, Meisterstück der Schöpfung,
Von Gottes Hand beseelt, fühle deine hohe Bestimmung.



 
 
Das Gebäude umschließt ein Blumen- und Pflanzengärtchen, in welchem ein starkberindeter Brunnen steht. Über dem Eingang ist die Inschrift: Beata solitudo.
 
Wir kamen links in die Zelle des Eremiten. Durch einen Tritt auf die Thürschwelle fährt mittels eines künstlichen Mechanismus der sitzende Einsiedler plötzlich in Lebensgröße in die Höhe. Das macht auf jene, die nicht davon präventirt sind, einen heftigen Eindruck. Das Gesicht, von Wachs gegossen, ist characteristisch gemacht, und verräht beym ersten Anblick die kunstreiche Hand des Besitzers der Kunstgallerie am rothen Thurm. Einige aus der Gesellschaft wollten sich niederlassen; alleine die Sesseln fingen zu pfeifen an, und die Sofa sank als zerbrochen abwärts. Eines schrie, das andere erschrak, die meisten lachten. Plötzlich spielt die Wanduhr die schönsten Stücke. Der Zelle gegenüber ist die Kirche des Einsiedlers, mit allen Geräthen versehen. Im Mittelzimmer ist vor dem Bild des heiligen Franciscus ein Bethschemmel. Kaum kniet man sich darauf, so springt das Bild in Gestalt zwyer Fensterflügel auseinander, und eine reizend schöne weibliche Gottheit: die Beständigkeit, mit Blumen geziert, erscheint dem erstaunten Augen. Auf einer Vase ist der Nahme Constantia zu lesen. Daß auch dieses Götterbild den gräflichen Künstler zum Schöpfer hatte, wird dem Kenner nicht entgehen. Die ganze Anlage ist ein Werk des berühmten k.k. Hof-Architecten v. Hochenberg.
 
Auch Josef Widemann beschrieb die ‚Einsiedelei‘ in seinem Büchlein „Mahlerische Steifzüge durch die interessantesten Gegenden um Wien“ im Jahre 1805 auf recht ähnliche Weise.
 
Lange konnte man also dieses kuriose Werk nicht bewundern. Erst in den späten neunziger Jahren des 18. Jahrhunderts errichtet, war es 1809 durch die Franzosen Großteils zerstört, und bereits 1810 befahl Kaiser Franz I. „Die Kastanienallee beim Blauen Hof wird bis zum sogenannten Aubach [Schwechat] mit Kastanienbäumen verlängert. Auf dem Platze, wo die Einsiedelei stand, wird eine Rundung gemacht, welche mit Platanen bepflanzt wird. Von dieser Rundung aus wird eine Kommunikation mit der rückwärts schon bestehenden Hauptgartenstraße, welche zum Ritterschloß und zur gotischen Brücke führt, hergestellt. …(HHSTA, SHLB, Fasz. 12 (alt), Nr. 27/1810, 7. September 1810).
 

Planausschnitt "Gradkartenblatt" aus dem Jahre 1873

 
Wesentlich pietätvoller, dem religiösen Charakter einer Ermitage eher angemessen, wurde später unweit der Orangerie, am Hahnenbach gelegen, eine einfache, aus Holz gebaute Einsiedelei errichtet, die noch zur Zeit des ersten Weltkrieges bestanden haben soll. Der Ausschnitt aus dem „Gradkartenblatt Zone 13 Colonne XV Section c1“ aus dem Jahre 1873 zeigt den Standort der „neuen“ Einsiedelei. Man kann die Orangerie und den Verlauf des Hahnenbaches erkennen. Ein interessantes Dokument mit Details über die Wasserzufuhr zu diesem künstlich abgelegten Hahnenbach, früher auch als „Gränzbach“ bezeichnet, findet sich im Haus Hof und Staatsarchiv. (HHStA, OMeA, Kt.396, r.43/11/8 aus 1833, 4. Dezember 1833)
 
„Den Gränzbach des Laxenburger Parkes in der blauen Hof-Gartenparthie zunächst dem Wohngebäude Ihrer Majestaeten von dem Birkenhügel längst der sogenannten Hahnenwiese abwärts bis zu dessen Einmündung in den durch den Park fließenden Aubacharm zunächst der Gartenmayerey hat ungeachtet der alljährlichen Räumung fortan die Ansicht einer stehenden unreinen und der Gesundheit höchst nachtheiligen Pfütze, weil einerseits der Zufluß des Wassers, welches zur Speisung dieses Baches mittels eines hinterhalb des blauen Hofes angelegten kleinen Kanals, aus dem an den Gärtchen Ihrer Majestaet der Kaiserin vorüber fließenden Mühl- oder sogenannten Pferdeschwemmbache abgeleitet wird, zu gering ist und weil der Bach andererseits eine zu große breite und keinen gehörigen Abfall hat.
 
Seine Majestaet haben sich hierdurch bei Allerhöchst Ihrem heurigen Sommeraufenthalte in Laxenburg bewogen gefunden anzubefehlen, diesem Bache bis zum künftigen Frühjahre noch vor der Ankunft des allerhöchsten Hofes einen vermehrten Wasserzufluß und den erforderlichen Abzug zur gänzlichen Beseitigung jenes Uibelstandes zu verschaffen…“
 
Die Lösung des Problems wurde so angedacht:
 
„ … kann nur durch Zuleitung eines vermehrten Wasserzuflußes und durch eine angemessene Verengung des gedachten Gränzbaches gehörig entsprochen werden. Zur Erzielung dessen mußte das an dem blauen Hofe unterirdisch vorbeifließende Kanalwasser durch Herstellung eines gemauerten mit Bruchsteinplatten gedeckten und in dem oben erwähnten kleinen Rinnsal, mittelst welchen der Gränzbach bisher mit Wasser gespeist wurde, sich einmündenden Kanals abgeleitet und das Flußbett des Gränzbaches auf eine dem vermehrten Wasserzufluße angemessenen Breite verengt, die beidseitigen Ufer gehörig beschlächtet und gepöschet werden, …“

 

Ehemalige "Orangerie", jetzt Firma Lederleitner


… und dort steht das Denkmal …