Donnerstag, 5. Mai 2016

Die Rittergruft im Schloßpark Laxenburg


Rittergruft

 

Rittergruft


 
Gleich am Beginn des Bereiches im Schloßpark Laxenburg der „Rittergau“ benannt wird, steht die sogenannte Rittergruft. Also ich persönlich finde ja nicht, daß dieses Bauwerk besonders unproportioniert aussieht, aber Herr Otto Benesch (*1896 in Ebenfurth, NÖ; † 1964, Wien; österreichischer Kunsthistoriker) ist da anderer Meinung. Er schreibt in der Broschüre Das Lustschloss Laxenburg bei Wien“, (erschienen 1920 im Verlag Hölzel) über seinen Eindruck von der Rittergruft: Sie, also die Rittergruft würde aussehen: „… fast so, als wäre das Gebäude ein wenig in den Boden versunken.“
 
Das ist sie allerdings keineswegs, also ins Erdreich gesunken. Diese „Gruft“ hat ihre äußere Form seit ihrer Erbauung (um 1790) nicht verändert. Weil man den Begriff „Gruft“ weniger mit der von der Caritas in Wien betriebenen sozialen Einrichtung für obdachlose Menschen assoziiert, sondern dabei eher an einen Ort zur Bestattung verstorbener Menschen denkt, sei anzumerken, daß in der Rittergruft im Schloßpark Laxenburg niemals ein Mensch, weder Bauer, noch Bürger, kein Knappe und erst recht kein Ritter beerdigt war (oder ist).
 
Zugegeben, heute sieht diese „Begräbniskapelle“ freilich irgendwie schäbig, öde und leer aus. Ganz anders stellt sie sich aber auf einem wunderschönen Hinterglasbild in der „Neuen Vogtei“ (das ist ein Trakt der Franzensburg) dar. Dort kann man die Rittergruft in ihrer damaligen, vollendeten Schönheit bewundern.
 
Auch durch die untenstehende Lithographie von Johann Rupp bekommen wir eine ungefähre Vorstellung davon, wie großartig diese „Rittergruft“ einst ausgesehen hat. Für eine detailreiche Beschreibung will ich Herrn Franz Carl Weidmann bemühen, der in seinem Bericht „Die Umgebungen Wiens, historisch – malerisch geschildert“ im Jahre 1853 geschrieben hat: 
 
„Wir überschreiten nun den Bach (Herr Weidmann meint den kleinen, künstlich angelegten Bach, der über eine weite Strecke durch Wiesen und kleine Waldungen fliest und dafür sorgt, daß überfließendes Wasser aus dem Goldfischteich zur Schwechat geleitet wird), und stehen dann in dem sogenannten Rittergau, unstreitig die merkwürdigsthe Parthie des Parkes. Wir erblicken in demselben zuvörderst die Begräbniskapelle oder sogenannte Rittergruft. Sie birgt höchst sehenswerthe Kunstwerke. Die Kapelle ist im altdeutschen Style erbaut, 20 Fuß lang, 8 Fuß breit, vorne mit einem Gitter verschlossen, welches den Einblick gestattet. Über dem Portale zeigt sich das österreichisch-spanische Wappen, eine Steinmetzarbeit des XV. Jh., aus dem Reichsarchiv hierher gebracht. Im Hintergrund der Kapelle fesselt den Blick zuerst durch Glanz und Schimmer ein herrliches Glasgemälde, aus der Pfarrkirche in Stadt-Steyr hierher versetzt, 6 Fuß hoch, 3 Fuß breit, aus dem XV. Jh. Stammend. Die Darstellung ist die Geburt Christi.
 
Die Arbeit ist trefflich; das Ganze gehört zu den schönsten uns erhaltenen Glasmalereien. Besonders im Lichte der sinkenden Sonne wirkt der Farbenglanz wahrhaftig magisch. Außerdem befinden sich an den Wänden der Kapelle herrliche altdeutsche Oelgemälde. Vier derselben, angeblich von Lukas Cranach, wofür indessen keine Gewähr existiert, für alle Fälle aber von einem ausgezeichneten Meister.
 
Links sieht man die heilige Katharina, rechts die heilige Barbara, am rückwärtigen Theile der Kapelle zwei Darstellungen der Anbetung des neugeborenen Heilands. Vier andere, aber noch ältere, Gemälde stellen Momente aus dem Leben der heiligen Jungfrau dar, nämlich den englischen Gruß, Christi Geburt, die Anbetung der Könige und die schmerzhafte Mutter. Auf dem Boden der Kapelle liegt ein Grabstein, aus Mauerbach hierher gebracht, mit der Inschrift:
 
“Anno Domini XCCCCXI  IVKal. Arili Obiit venerabilis vir
Dominus Leonhardus Gebert.Patronus et presbyter Ecclesiae
Canonicus et Plebaunus in Laa, Fudator hujus Capellae,
cujusAnima reauiesscat in pace.”

 

"Rittergruft in Laxenburg", Lithographie von Johann Rupp, um 1825; Kultur und Museumsverein Laxenburg; Foto H. Suck

  
Die Korrektheit der Wiedergabe der Inschrift durch Herrn F.C. Weidmann darf jedoch mit Recht bezweifelt werden. Sowohl die Schreibweise des Sterbejahres, als auch der Name des Verstorbenen gibt Rätsel auf. Auf der jetzt in der Ritterburg aufgestellten Grabtafel ist vieles nicht mehr lesbar. Eine Zahl XCCCCXI ist in römischer Schreibweise nach meinen Recherchen jedenfalls nicht möglich. Mehrere Quellen geben als Namen des Toten einen 1411 verstorbenen Dr. Leonhard Schauer, Rektor an der Universität Wien an. Somit müßte die Jahreszahl MCCCCXI, und der Name Leonhardus Schauer lauten.
 
Das Innere der Rittergruft ist heute völlig leer. Die im rückwärtigen Teil eingezogene Zwischenwand, in der das erwähnte Glasbild eingelassen war, existiert nicht mehr. Die Bilder an den Wänden sind ebenfalls nicht mehr vorhanden und auch die am Boden eingelassene Grabplatte hat ein anderes Domizil erhalten: Sie befindet sich jetzt stehend an einer Wand im äußeren Burghof der Franzensburg. Auch vom Habsburg–Lothringischen Wappen ist nichts mehr geblieben als der Mauerhaken, an dem es einst aufgehängt war.
 
Über den Verbleib des Wappens am Portal, der sicher wertvollen Glasmalerei und all der Bilder ist mir leider nichts bekannt.
 
Abgesehen von der zuvor erwähnten, im Boden der „Gruft“ eingefügten Grabplatte, hat ein winziges Detail all die Jahre überdauert. Lediglich ein sehr kleiner Teil einer Malerei, aber absolut interessant.
 
Wir müssen dazu auf die Rückseite der Gruft gehen, um dieses Fragment zu entdecken. Es ist eigentlich unscheinbar. Doch dieser kleine Ausschnitt zeigt die Bemalung der Wände, die einst wahrscheinlich das gesamte Gewölbe der Gruft geziert hat.

 

Detail restlicher Malerei in der Rittergruft

 
Interessant ist sicherlich noch eine Textstelle die ich bei Franz de Paula Gaheis in seiner Beschreibung von der Rittergruft gefunden habe. Dort schreibt Herr Gaheis:
 
„... Das unter demselben (es ist das Glasbild in der Zwischenwand gemeint) vormahls durchlaufende Wasser hat nun weit weg eine andere Richtung erhalten.“
 
Welches Wasser das gewesen sein mag? Es ist nur eine Vermutung, aber es könnte dieser künstliche Bach gewesen sein, den wir, um zu dieser „Rittergruft“ zu gelangen, vor kurzem erst überschritten haben.
 
Jetzt mündet dieser Bach etwa in Höhe der Kläranlage von Laxenburg  in die Schwechat.
 
 
Grabplatte aus der Rittergruft
 

... und so kommst du zur Rittergruft ...