Donnerstag, 15. September 2016

Laxenburg und AHA



„AHA – Graben“, was ist das?




Wie im Kapitel „Altes Schloß“ bereits erwähnt, hat ein gewisser Herr Hilfreich, damals Direktor der „Société Anonyme Chateau Laxenbourg“, die im Jahre 1770 rund um den Park gebaute Mauer abreißen lassen und sie als Baumaterial verkauft. Er wollte mit dieser Aktion die Pleite der Société verhindern, was ihm allerdings nicht gelungen ist. 

Géza Hajós schreibt in seinem Buch „Der malerische Landschaftspark in Laxenburg bei Wien“ auf Seite 291 über „Die Einfriedung“ zu dieser Mauer:  

„Da die Sichtbeziehung mit der umliegenden Landschaft stets als Bestandteil des Parkerlebnisses betrachtet wurde, hatte man ihn [den Park] seit der josephinischen Parkerweiterung mit einer Pappelallee und einem ‚gemauerten Graben‘, den sog. AHA-Graben (unpassierbare Vertiefung als Element der optischen Verbindung zwischen Park und Landschaft) umgeben. Er wurde immer wieder renoviert. Das letzte Mal laut Protokoll „Herstellung der Baufälligen Futtermauer entlang des Parkgrabens“. Diese von den neuen Stallungen bis zum so genannten Parapluie sich hinziehende ‚Scarpmauer‘ an der Laxenburger-Münchendorfer-Hofstraße ist in ihrer ganzen Länge von 1300 m schadhaft, das Steinmaterial verwittert und stellenweise ganz demoliert.“ (1892). Von außerordentlichen Herstellungen hören wir aus dem Jahr 1893. Von einer Herstellung der baufälligen Futtermauer entlang des Parkgrabens im Jahre 1894 (verteilt auf sechs Jahre) wird auch berichtet.

Ein Mauerrest auf der Westseite der Straße ist noch erhalten. Die Verbauungen im 20. Jahrhundert veränderten und verstellten größtenteils auch die Sichtachsen. An Stelle der Allee führt jetzt die Straße nach Münchendorf. Der Park ist an dieser Seite durch Maschendrahtgitter eingefriedet. Entlang der Südseite begrenzt ein seichter Graben das Areal, das Ufer ist auf der ganzen Länge mehr oder weniger dicht bewachsen. Die gleiche Situation findet sich entlang der nordöstlichen und östlichen Seite, wo der Hanabach und die Schwechat den Park begrenzen.“

Herr Géza Hajós wird es mir verzeihen. Mit dem Hinweis „unpassierbare Vertiefung als Element der optischen Verbindung zwischen Park und Landschaft“ kann ich nicht viel anfangen.

Also bin ich auf die Suche nach ‚AHA-Graben‘ im Internet gegangen. Ich hab‘ „gegoogelt“ und bin letztendlich bei Wikipedia fündig geworden: Ein Ha-Ha oder Aha ist ein Gestaltungsmittel der Gartenkunst. Der Ha-Ha ersetzt eine sichtbare Parkmauer oder einen Zaun. Er ist als trockener, deutlich unter dem Geländeniveau liegender, tiefer Graben mit steilen Böschungen oder als in einem Graben stehende, einseitig das Erdreich abstützende oder auch frei stehende Mauer (doppelter Ha-Ha) ausgeführt.“

Ein Bild sagt einfach mehr als tausend Worte und dieses Bild aus dem Internet (Wikimedia Commons, Autor: Graham Bould), es zeigt ein „doppelseitiges Ha-Ha (auch AHA genannt) in Melford Hall, Suffolk, United Kingdom, erklärte mir anschaulich was gemeint ist:


 

 
 
Eine Mauer, ohne besondere Hilfsmittel nicht sehr einfach zu übersteigen, steht in einem Graben. Durch die spezielle Plazierung ist das Gemäuer erst zu sehen, wenn man dem Graben sehr nahe gekommen ist. Tiere und andere ungebetene Gäste werden zuverlässig vom Betreten des Areals abgehalten, während der freien Blick in die Landschaft nahezu ungehindert erhalten bleibt und genossen werden kann. Einfach und genial.

Herr Géza Hajós hat es schon erwähnt: diese ‚Scarpmauer‘ befand sich früher entlang der heutigen Münchendorferstraße. Etwa ab den Stallungen bis zur „Pulverstampfkurve“, wo einst auch das „Parapluie“ gestanden hat.

Wie sehr diese Zeit auf romantisch freie Sichten Wert legte beweisen nicht nur die zahlreichen Parkbeschreibungen. Gerhard Dützele von Coeckelberghe fügte seinem Büchlein „Das k.k. Lustschloß Laxenburg“ aus dem Jahre 1846 einen Plan bei, der das recht deutlich macht.





Um freie Sicht auf das in der Ferne liegende Wesentliche zu ermöglichen wurde offensichtlich sogar auf die naheliegende Kontinuität der Baumallee verzichtet und diese an relevanten Stellen einfach unterbrochen.

„Ein Mauerrest auf der Westseite der Straße ist noch erhalten.“ Schreibt Herr Géza Hajós. Ich hab‘ diesen Mauerrest leider nicht gefunden. Allerdings betrete ich, ohne Not, auch nicht unbefugt abgesperrtes Areal (ehemaliger Campingplatz). An anderer Stelle war mir der Zugang (dank „Ursprung 2010“, einem Jamboree der Pfadfinder Österreichs im Schloßpark Laxenburg) für kurze Zeit jedoch ermöglicht. Ein Brückensteg über die ehemalige „Schwimmschulbrücke“ machte es möglich. Übrigens, nach 1934, 1961, 1990 und 2010 gab’s auch 2016 wieder ein Jamboree der ‚Pfaderer‘ im Schloßpark Laxenburg: Das „Pinakarri“.

Ob das wohl ein Teil der AHA - Gräben war?