Donnerstag, 15. September 2016

Laxenburg Wegweiser zum Haus der Laune


Wegweiser zum Haus der Laune

 
Quelle: "Der malerische Landschaftspark in Laxenburg bei Wien", Géza Hajos, Seite 183, Lorenz Janscha/Johann Ziegler, "Brücke und Weg zu dem Haus der Laune in Laxenburg", lavierte Umrissradierung um 1800, Foto H. Suck
 
„Jetzt wallete unser Zug über eine leichte Bogenbrücke auf das jenseitige Ufer des Kanals. In Kurzen stießen wir links auf eine Wachhütte, welche wie ein Argus über und über mit Augen bemahlt ist. Ein schönes Sinnbild der Wachsamkeit! rief eine aus der Gesellschaft aus. Oder vielmehr der Schläfrigkeit des Wächters, sagte ein anderer, indem die Hütte statt seiner sehen muß. Sie ist rund herum, statt der Ketten, mit Aepfel, eingefaßt, die an dicken Spargelstengel herabhängen. Zu oberst ist statt der Fama eine weibliche Figur mit sternbesähtem Kleide und einem Geisbockkopfe zu sehen. In der Linken hält sie einen Besen, in der Rechten ein Hirtenrohr, mit welchem sie zu blasen scheint. An der Mündung hängt ein Schild mit der Aufschrift: Weg zum Haus der Laune."
 
So beschrieb Franz de Paula Gaheis in seinen „Wanderungen und Spazierfahrten in die Gegenden um Wien“ aus den Jahren 1801, 1804 und 1807 nicht nur den Weg zu dieser längst nicht mehr existierenden „Wachthütte“, sondern auch diese selbst. Herr Gaheis erwähnt auch, daß er diese ‚Wachhütte‘ für „ein Meisterstück komisch-allegorischer Dichtung“ und „ein Werk, deßgleichen Europa nicht aufzuweisen hat“ halte.
 
Man munkelt dieser kuriose ‚Wegweiser‘ zum ‚Haus der Laune‘ wie auch dieses selbst soll von der zweiten Gemahlin Kaiser Franz II./I., der Kaiserin Maria Therese, Prinzessin beider Sizilien, erdacht worden sein. Erbaut hat es jedenfalls der k.k. Hofarchitekt Johann Ferdinand Hetzendorf von Hohenberg in den späten 90’er Jahren des 18. Jahrhunderts.
 
Die Frage stellt sich natürlich, zumindest für mich, wo sich denn dieses Objekt befunden haben mag. Da neue Brücken entstanden, andere inzwischen nicht mehr existieren, da Wege heute anders angelegt sind als sie Herr Gaheis seinerzeit vorgefunden hat, ist die Frage nicht so leicht zu beantworten.

In der Zeichnung von Lorenz Janscha und Johann Ziegler ist zu erkennen, daß sich die Brücke oberhalb eines offensichtlichen Zusammenflusses zweier Bäche befunden hat. 
 
Ein Plan aus dieser Zeit hilft uns weiter. Er stammt von einem Oberleutnant Czollitz und nennt sich „Aufnahms - Brouillon vom Jahre 1803“. In dem kleinen Ausschnitt kann man den Weg den Herr Gaheis genommen hat sehr gut nachvollziehen.


 





 Deutlich erkennbar sind die beiden Wasserläufe, deren Zusammenfluß und eine Brücke die sich über den ‚unteren‘ Bach (die Schwechat) spannt. Auch das „Haus der Laune“ ist, als rote, kreuzförmige Markierung eindeutig zu erkennen. An etwa der Stelle, die ich mit einem Pfeil markiert habe, muß sich demnach, folgt man der Beschreibung des Herrn Gaheis, dieses seltsame „Wachthaus“ befunden haben.
 
Heute sind sowohl die Wege, als auch die Brücke an anderer Stelle. Der Zusammenfluß der beiden Bäche ist aber immer noch vorhanden und – wenn der Bach an dieser Stelle zufällig von angeschwemmten Astwerk und Müll befreit ist – ist er ein besonders reizvoller Anblick.