Freitag, 18. November 2016

Wasserfall Schloßpark Laxenburg


Wasserfall (Cascade)

  
 


    

Der Wasserfall, oder die „Große Cascade“, wie er in alten Texten meist genannt wurde, ist nur wenige Schritte vom Turnierplatz entfernt. Über diesen Wasserfall ergießt sich Wasser aus dem Forstmeisterkanal, der als einzige Wasserzufuhr (wenn auch nicht ausschließlich an dieser Stelle) für den Schloßteich dient.
 
Dieser Forstmeisterkanal ist, in seinem heutigen Verlauf, eine künstlich angelegte Wasserstraße. Der ehemals hier wild fließende Bach, der Falckner Looben, wurde schon im 18. Jahrhundert Stück um Stück begradigt und in sein heutiges Bachbett gezwängt. Die Ufer des Kanals war früher durchgehend mit Pappeln bepflanzt. Erst in den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts wurden auf einem Teil des Kanals die Pappeln durch Linden ersetzt. Géza Hajós schreibt das in seinem Buch ‚Der Schloßpark Laxenburg, ein Führer durch Geschichte und Gegenwart‘ (zu beziehen an den Kassen beim Eingang zum Schloßpark) „... hatte man die Pappelallee als zu streng, starr und nicht als zeitgemäß empfunden. So wurden an ihrer Stelle Linden gepflanzt in der Hoffnung, daß sie mit der Zeit durch ihre das Wasser berührenden malerischen Kronen die strenge Linearität des Kanals aufheben und mehr Natürlichkeit ausstrahlen würden.“
 
Völlig geradlinig verläuft der Forstmeisterkanal vom Wehr (nahe beim Parkeingang Flieger und Flieger) bis zur Einmündung in den Schloßteich. Seine Länge beträgt auf dieser Strecke (in Google Earth gemessen) etwa 1760 Meter. Drei Brücken erlauben es den Forstmeisterkanal zu überqueren: Die ‚Forstmeisterbrücke‘ am Ende des Palamayganges, die nach dem naheliegenden Fischerdörfl benannte ‚Fischerdörflbrücke‘, die in der sogenannten ‚Münchendorfer Achse‘ erbaut wurde, und eben die Brücke beim Wasserfall.
 
Übrigens, die ‚Münchendorfer-Achse‘ war früher eine tatsächliche Sichtverbindung vom Kirchturm in Laxenburg zum Kirchturm in Münchendorf und nicht zufällig liegen daher auf dieser Achse sowohl die ‚Löwenbrücke‘, als auch die ‚Fischerdörflbrücke‘.
 
Bei niedrigen Wasserstand im Teich, oder, wenn durch Hochwasser bedingt, Wasser durch den Teich geleitet werden muß, hört man das Rauschen des Wassers schon von weitem, wenn es über die Kaskade fällt.
 
Erzherzogin Marie Louise („Ludovica“) schrieb 1802 an den Herrn Papa, an Kaiser Franz II. (HHStA. FA Sammelbände 39, Laxenburg 3. September 1802, fol.9):
 
„… Die neue Cascade läuft fast alle Tage, Gestern die Hunde sein im Spazierengehen so nachgelofen einen Hasen daß der kein anderes Mittel gefunden hat zu entrinnen als sich ins Wasser zu stürzen und durchzuschwimmen gestern habe ich einen kleinen Knaben im Prater gesehen der ohngefähr 3 Jahre alst war das Centrum in dem Vogelschiessen mit einer erstaunlichen Geschicklichkeit fast immer der Boeller losgegangen ist und den Vogel ohne Hülfe gehalten hat. …“
 
Am unteren Ende des Wasserfalls befindet sich ein kleiner Rastplatz. Von dort aus kann man, über den Kanal hinweg, das große Eingangstor zur früher genutzten Baumschule sehen. Die beiden Steinsäulen und das große Gittertor, wurden im Jahre 2002 renoviert.



Auch wenn die abgebildeten Bäume heute keine „Setzlinge“ mehr sind, so erkennt man doch noch die in Reih‘ und Glied ausgerichtete Bepflanzung, wie sie für eine Baumschule typisch ist.
 
Die über den Forstmeisterkanal führende ‚Wasserfallbrücke‘ hat Eduard Gurk auf seinem Bild nicht gezeichnet, weil sie damals wahrscheinlich nicht vorhanden war. Die beiden auf Steinsockeln ruhenden Sphinxen und die darunterliegenden Reliefs sind jedoch deutlich abgebildet. Ebenso die beide Ufer flankierenden Pappelalleen. Die „Cascade“, der Wasserfall, befand sich offensichtlich ein gutes Stück weiter Richtung Westen. Auch eine Art Fährschiff ist zu erkennen, mittels der Besucher offensichtlich von einem Ufer an das andere gelangen konnten. Interessant ist allerdings, daß keiner der namhaften „Berichterstatter“ aus dieser Zeit auf diese Art der Beförderung hingewiesen hat. 

 

  
Quelle: "Der malerische Landschaftspark in Laxenburg bei Wien", Géza Hajos, Seite 124, Eduard Gurk, "Die große Kaskade", Stich um 1820; Photo H.Suck

 




In der linken oberen Ecke der Postkarte aus dem Jahre 1900 kann man den relativ großen „Kaffeeschank“ erkennen, der 1852 hier in der Nähe errichtet wurde.
 
Ursache für die Erbauung des neuen Kaffeehauses war ein „Alkoholproblem“ in der alten Meierei. Ein Dokument aus dem Haus- Hof- und Staatsarchiv vom April 1852 beschreibt es folgend:
 
„In früherer Zeit wurde in der Meierei zu Laxenburg von dem dortigen Gartenmeier Kaffee, Milch, und selbst Bier und Wein an das Publikum ausgeschenkt. Dieß wurde wegen der durch Betrunkene veranlaßten, das Dekorum eines Hofgartens verletzenden Unordnungen, dann wegen der von Seite der besteuerten Laxenburger Gast- und Kaffeewirthe dawider als eine Gewerbsbeeinträchtigung erhobene Beschwerde abgestellt. Durch die anruhende allerhöchste Entschließunmg vom 3. Dezember 1842 wurde dieses Verboth bestätigt, auf wiederholte Bitten des Gartenmaiers aber ihm durch die gehorsamst reproduzirte allerhöchste Resoluzion vom 2. August 1843 ausnahmsweise das Ausschenken von Kaffee und Milch /:mit Ausschluß geistiger Getränke:/, jedoch nur für Personen des allerhöchsten Hofstaates und unter der Bedingung gestattet, daß es von diesem Zugeständniße im Falle eines Mißbrauches sogleich wieder abzukommen habe.“
 
Nahe der Baumschule ist das verfallene Mauerwerk eines kleinen „Gebäudes“ erhalten geblieben, das vor 2002 wegen seines desolaten Zustandes und der Überwucherung durch Pflanzen kaum einem Wanderer aufgefallen sein dürfte. Im Herbst 2002 erfuhr dieses Objekt eine Wiederauferstehung. Denkmalschutz war dabei offensichtlich kein Thema. Die ehemals gemauerten Rundbögen der Türe und der Fenster wurden einfach ignoriert und durch rechteckige Formen ersetzt. Es soll sich bei diesem kleinen Gebäude um eines der früher im Schloßpark aufgestellten „Wachthäuser“ handeln. Sagte die Schloß Laxenburg Betriebsgesellschaft. Ob diese Hütte tatsächlich eines der in alten Berichten erwähnten Wachthäuser ist erlaube ich mir jedoch zu bezweifeln. Auf einem mir zugänglichen Plan des Schloßparks aus dem Jahre 1873 ist an dieser Stelle nahe der ‚Baumschule‘ ein ‚Objekt‘ eingezeichnet. Die heute noch erhaltenen Wachthäuser (beim Paraplue und bei der Marianneninsel) sehen völlig anders aus. Ob es wohl eher ein „Vorratshaus“ für den Kaffeeschank gewesen ist? Oder ein Unterstand bei Schlechtwetter für Arbeiter in der Baumschule? Wer kann das sagen?


 











 

"Wachthaus" renoviert

 
"Wachthaus" vor 2002