Montag, 6. Februar 2017

Laxenburg, ein schöner Ort


Laxenburg

Laxenburg, Schloßplatz

 Aus alten Zeiten …


Quelle: „Laxenburg, Juwel vor den Toren Wiens“, Seite 111, "Ansicht des Schlosses Laxenburg mit Wirtschaftsgebäuden, Salomon Kleiner (Zeichnung) und Daniel Heumann (Stich)“, 1720 Museum Laxenburg,  Foto: H.Suck
 

Pietro Metastasio, der eigentlich Antonio Domenico Bonaventura Trapassi geheißen hat, wurde am 03.01.1698 in Rom geboren und verstarb am 12.04.1782 in Wien. Er war Dichter und Librettist und viele seiner Werke wurden vertont. Unter anderen von Antonio Caldera, Christoph Willibald Gluck und Wolfgang Amadeus Mozart. Sein Sarkophag befindet sich in der Krypta der Michaelerkirche in Wien. Am Haus neben der Kirche (Kohlmarkt 11), dem Sterbehaus von Metastasio, ist ihm zu Ehren eine Gedenktafel angebracht. Ab 1729 war Metastasio ‚Hofdichter‘ am kaiserlichen Hof in Wien. Er war es, der diese sicher humorvoll gemeinten und in italienischer Sprache verfaßten Verse in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts geschrieben hat. Jedenfalls erwähnt das Herr Johann Basilius Küchelbecker in seinem Buch „Allerneueste Nachrichten vom Römisch - Kayserlichen Hofe“ aus dem Jahre 1732. Ich finde Pietro Metastasio hat damit Laxenburg, nicht nur für die damalige Zeit, sehr zutreffend beschrieben. Natürlich sind es heutzutage kaum ‚Majestäten‘ denen Laxenburg gefällt, vielmehr sind es die nicht ‚gekrönten‘, jedoch zahlreichen Besucher von Laxenburg.  
 
Schloß Laxenburg – damit ist jenes Gebäude gemeint, das man heute als das „Alte Schloß“ bezeichnet – war zur Zeit des Metastasio ein recht ansehnliches Bauwerk. Das belegt die um das Jahr 1720 entstandene Zeichnung von Salomon Kleiner und Georg Daniel Heumann recht augenscheinlich.
 
Ein breiter Wassergraben umgab damals das Schloß und es wurde von einigen Nebengebäuden flankiert. Die beiden hoch aufragenden Türme und der rechts im Wassergraben stehende „Aussichtsturm“, mitunter auch als „Badeturm“ bezeichnet, ließen das Gebäude imponierend erscheinen. Aber natürlich war es kein Prunkschloß, wie das 1734 unter Kaiserin Maria Theresia umgebaute und zu seiner heutigen Größe ausgebaute Schloß Schönbrunn.
 
Heute sieht das ‚Alte Schloß‘ im Vergleich wesentlich schlichter aus:


Der Ort selbst, durch Herzog Albrecht III. im Jahre 1388 zum Markt erhoben, hatte bei weitem nicht die Dimensionen einer Stadt. Aber ohne Zweifel war Laxenburg schon damals, wie auch heute noch, ein wunderschöner Ort. Warum sonst sollte Seine Majestät ihn für seinen jährlichen Aufenthalt im Frühjahr auserkoren haben? Die Majestät, von der Pietro Metastasio in seinem Vierzeiler behauptet ihm würde der Ort gut gefallen, war schließlich niemand geringerer als Kaiser Karl VI., der Vater der späteren Kaiserin Maria Theresia, der Erbauerin des „Neuen“ Schlosses, des „Blauen Hof“ in Laxenburg.
 
Längst gibt es keine Majestäten mehr in Österreich. Zumindest keine gekrönten. Die „Reigerbeitze“, derentwegen Laxenburg von den hohen und höchsten Herrschaften in vergangenen Jahrhunderten so gerne besucht wurde, ist Teil höfischer Geschichte, denn die Jagd auf Reiher mit Jagdfalken wurde bereits 1793 von Kaiser Franz II./I. aufgelassen. Auch staatstragende Verträge werden nicht mehr in Laxenburg geschlossen. Am 24. April 1725 unterzeichneten Philipp V. von Spanien und Kaiser Karl VI. im Beisein der Bevollmächtigten Baron Riperda (Spanien), Prinz Eugen von Savoyen, Graf von Sinzendorf, und Gundacher Graf von Starhemberg (Österreich) den Friedensvertrag mit Spanien. Und die Volksvertreter unserer Republik veranstalten ihre „Pirutschaden“, das waren zeremonielle Schaufahrten für Gäste des Hofes, zum Glück auch nicht mehr im wunderschönen Schloßpark.

Eine ‚Pirutschade‘ hat am 12. Mai 1823 im Schloßpark Laxenburg stattgefunden.  Wann, wo und wie, sogar wer mit wem in einen Wagen gesessen ist, darüber hat Gerhard Dützele von Coeckelberghe in seinem 1846 erschienenen Buch „Das k.k. Lustschloß Laxenburg, ein Wegweiser für Einheimische und Fremde“ berichtet:

 Pirutschade im Mai 1823.

Dies, dem Sorgenfrei einer bürgerlichen Familie ähnliche Gebäude war ausersehen worden, am 12. Mai 1823 während der Anwesenheit des Königs Ferdinand von Neapel in Wien dem allerh. Hofe und seinem Gaste aus dem Lande „wo die Zitronen blühen”, im Schatten ehrwürdiger deutscher Eichen zum Gasthause zu dienen.

Die erlauchte Gesellschaft erhob sich zu Fuße zu dem Lusthause, wo sie gegen 2 Uhr anlangte, und durch einen Gruß von 24 Schüssen aus dem herrlichen Kunstgeschütze der Stadt Nürnberg, die zwölf Monate genannt, bewillkommt wurde, das an der Gartengrenze gegen Lanzendorf aufgestellt war.

Im unteren Saale stand, seine Form nachahmend, die Tafel von 17 Gedecken. Sie war mit einer Spiegelplatte geschmückt, die drei goldene Vasen mit üppig emporragenden, beinahe Mannshohen Blumensträußen voll Duft und Farben trug und Flora’s heitere, aber vergängliche Kinder den ernsten Eichen gegenüber stellte, die das Haus umgeben, und an denen Jahrhunderte nur vorübergegangen, um ihre Riesenleiber auszubauen.

Gegen halb vier Uhr ward die Tafel, unter dem Donner der sechspfündigen Feldstücke, aufgehoben, und die Gesellschaft begab sich in das Freie, um die prächtig bespannten Gartenwägen in folgender Ordnung zu besteigen:

Im 1. Wagen: Der Obersthofmeister, als Führer des Zuges. Der Schloßhauptmann Riedl.
Im 2. Wagen: Der Kaiser Franz I. und der König Ferdinand.
Im 3. Wagen: Die Kaiserin, der Kronprinz und der Herzog von Reichstadt.
Im 4. Wagen: Erzherzogin Henriette und Erzherzog Anton.
Im 5. Wagen: Erzherzogin Hermine und Erzherzog Carl.
Im 6. Wagen: Erzherzogin Mar. Clementina und Erzherzog Franz.
Im 7. Wagen: Herzogin von Florida, Gemalin des König Ferdinand, und Erzherzog Palatinus.
Im 8. Wagen: Erzherzog Ludwig und Prinz v. Salerno.
Im 9. Wagen: Die Tochter der Herzogin von Florida und die Fürstin Delle Colle.
Im 10. Wagen: Die Fürsten di Butera und Niscemi, Kammerherrn des Königs von Neapel.

Nachdem der Zug, den der Oberstallmeister, Graf von Trautmannsdorf, zu Pferde begleitete, die verschiedenen Anlagen des Parkes befahren hatte erreichte die Gesellschaft um 5 Uhr Nachmittags die Franzensburg, von deren hohem Wartthurme ihr das Panner Österreichs entgegenwehte. Dem Geschmack der Zeit gemäß, in welchem diese Veste erbaut ist, waren ihre Zugänge und Wälle mit Thorwärtern und Burgknechten in alterthümlicher Tracht besetzt.

Die Gäste stiegen in dem Hofraume ab, um die Merkwürdigkeiten dieser Burg zu besehen, und begaben sich hierauf durch eine lange Gasse schwergeharnischter Lanzenträger, die vor dem Burgthore aufgestellt waren, zu der Überfahrt am Teiche, wo niedliche, von k.k. Pontonieren geführte Barken mit flatternden Wimpeln bereit standen. Eine halbe Stunde währte die Fahrt auf dem hellen Wasserspiegel durch die anmuthigsten Parthien, worunter sich die romantisch gelegene Schwaneninsel besonders auszeichnete. Um sieben Uhr landete endlich die Flotille unter türkischer Musik, an dem gewöhnlichen Stapelplatze, und die hohe Gesellschaft bestieg die zweispannigen Gartenwägen, um zu der Meierei zu gelangen, wo noch Erfrischungen eingenommen wurden.

Besondere Aufmerksamkeit verdienen die alten Eichen, welche den Hain, in dessen Mitte dieses Lusthaus steht, bilden. Die meisten der Stämme zählen 6 bis 7, einige sogar 8 Jahrhunderte. Es sind noch Reste des uralten Forstes, welcher einst die Mönchsau, wie diese Gegend hieß, bedeckte.

Das „… dem Sorgenfrei einer bürgerlichen Familie ähnliche Gebäude …„ war das  ‚Lusthaus im Eichenhain‘, das ehemalige ‚Haus der Laune‘.

Quelle: „Laxenburg, Juwel vor den Toren Wiens“, Seite 223, "Pirutschade (Wagenausfahrt) zu Ehren des Sultans , 1873, Farblithographie, Museum Laxenburg, Foto A. Krisa“, Foto: H.Suck

 

Wer in Laxenburg nicht nur den Schloßpark besuchen, sondern auch achtsam durch den Ort spazieren, vielleicht sogar dem ‚Kulturparcours‘ folgen möchte, wird neben mehr, oder weniger modernen Wohnhäusern, auch einige prächtige Palais und noble Gebäude zu sehen bekommen.
 
An den entsprechenden Gebäuden angebrachte Informationstafeln nennen manch „illustre“ Namen. Namen und Titel von hochgestellten Persönlichkeiten der k.k. Monarchie, die einst diese Gebäude bewohnt hatten. Z.b.: Fürst von Schwarzenberg, Fürst von Dietrichstein, die Grafen Kaunitz, Sinzendorf, Schlick und Schönborn. Was davon zeugt, daß Laxenburg früher nicht nur Sommerresidenz des Kaiserhauses, sondern auch überaus beliebter „Zweitwohnsitz“ von Fürsten und Grafen war.

  

Informationstafel ‚Grünne Haus‘; Ausschnitt vom großen Saal im Grünne Haus mit Fresken von Johann Bergler

 Wie jeder andere Ort hat sich auch Laxenburg in den vielen Jahren seit der ersten schriftlichen Erwähnung im Jahre 1217 mächtig verändert. Der Ort ist erheblich größer geworden, ja, er war sogar kurze Zeit – wohl als Scherz gedacht – als Landeshauptstadt von Niederösterreich im Gespräch. Andererseits, welche Stadt oder Gemeinde in Niederösterreich kann schon mit zwei Schlössern, einigen Palais und sogar einer Ritterburg (Franzensburg) aufwarten? Zudem ist Laxenburg auch Sitz zweier internationaler Institutionen: Des IIASA (Internationales Institut für Angewandte System Analyse) mit Sitz im (neuen) Schloß Laxenburg ...


‚Neues‘ Schloß Laxenburg, Sitz des  I.I.A.S.A

  ... und der IACA (Internationale Anti Corruptions Akademie mit Sitz im ehemaligen Palais Kaunitz. Ist doch beachtlich für eine kleine Gemeinde, oder?  

 


 
Wie ich festgestellt habe wird dieser Blog sogar im ‚Ausland‘ gelesen. Also ‚gelesen‘ ist vielleicht übertrieben, aber er wird zumindest ‚angeklickt‘. Ich kann’s mir zwar nicht vorstellen, aber vielleicht gibt’s ja doch einigen Menschen auf dem Planeten Erde die nicht wissen wo sich Laxenburg befindet. Also: Die Marktgemeinde Laxenburg finden Sie in Europa, genauer gesagt in Österreich, etwa 15 km Luftlinie südlich vom Zentrum der Bundeshauptstadt Wien, im Bundesland Niederösterreich. Das Gemeindegebiet hat eine Ausdehnung von ungefähr 10,6 km² und es wohnen dort etwa 2800 Menschen. In der relativ kleinen Gemeinde Laxenburg gibt es – man höre und staune – zwei kaiserliche Schlösser und auch eine Ritterburg, die Franzensburg. Und nicht zu vergessen einen fast 2,8 km² großen Schloßpark samt Schloßteich.






Eine große Stadt ist Laxenburg – welch ein Glück – noch immer nicht. Heute, 2016, 628 Jahre nach der Markterhebung, hat Laxenburg immerhin rund 2850 Einwohner und zählt ungefähr 778 Häuser. Joseph Oehler berichtete in seinem Buch „Panorama von Wiens Umgebungen“, das 1807 erschienen ist, über Laxenburg: „Der Markt ist weitläufig, schön gebaut, und enthält außer den kaiserlichen Gebäuden noch 92 Häuser, ....“

Es geht aber noch kleiner: Auf dem ersten mir zur Verfügung stehenden Plan, der „Mappa“ aus dem Jahre 1716, ist von einem Ort noch nicht wirklich viel zu sehen.




Laxenburg ist mächtig gewachsen, aber noch immer das geblieben, was es immer schon war: Ein wunderschöner, ein überschaubar kleiner, aber auch ein geschichtsträchtiger Ort. Eben der „Goldene Markt“.
 
Die geschichtliche Entwicklung meiner Heimatgemeinde ist durchaus interessant. Es ist spannend zu erfahren wie die Besiedelung der Gegend erfolgte, welche Herren und Herrscher in der wechselvollen Geschichte als Eigentümer auftraten und mit welch unterschiedlichen Namen der Ort in alten Dokumenten erwähnt wurde. Lachsindorf, aber auch Lachsendorf, Lassindorf, Lahsendorf, sind einige davon, bis letztendlich dieser historische Ort als ‚Laxenburg‘ bis in die heutige Zeit bekannt und berühmt geworden ist.
 
Über die wechselvolle Geschichte des Ortes, der „Herrschaft“ Laxenburg zu berichten, das möge gelernten Historikern vorbehalten bleiben. Wer an der geschichtlichen Entwicklung von Laxenburg interessiert ist, wer mehr darüber erfahren, sich einen tatsächlich umfassenden Überblick verschaffen möchte, dem empfehle ich das wahrlich grandiose, als ‚Heimatbuch‘ gedachte Werk eines vierköpfigen Autorenteams (Dr. Elisabeth Springer, Mag. Barbara Hafner-Düringer, Mag. Margarete Platt, Ing. Michael Heidenreich) unter der Leitung von Frau Dr. Elisabeth Springer: „Laxenburg, Juwel vor den Toren Wiens“.
 
Dieses Prachtbuch: 616 Seiten, zahlreiche Farbbilder, Format 32 x 24 x 5 [cm], Gewicht 4 kg, ist im Gemeindeamt Laxenburg (im Rathaus am Schloßplatz), sowie im Museumsshop in der Franzensburg zu erwerben.








Einige Impressionen: