Mittwoch, 23. März 2016

Der Schloßteich


Der romantische Teich im Schloßpark Laxenburg.

  

 
Schloßteich, Blick von der "Grotte"



Der große Teich im Schloßpark Laxenburg hat eine Ausdehnung von etwa 25 Hektar, also 250.000 m², und bedeckt damit eine Fläche – ich brauch‘ solche Vergleiche um es mir besser vorstellen zu können – wie etwa 50 Fußballfelder. Die Besonderheit dieses Teiches besteht darin, daß er zur Gänze künstlich angelegt wurde.


Mitte des 18. Jahrhunderts meinten Fachleute, allesamt Wasserbau-Ingenieure, die immer wieder auftretenden Hochwässer in Laxenburg wären nur durch die Anlage eines großen Teiches, der als Auffangbecken dienen sollte, in den Griff zu bekommen. Kaiser Franz II./I., als großer Gartenfreund, war diesem Vorhaben wohlwollend aufgeschlossen. Ob er zu diesem Zeitpunkt bereits die Vision der „Franzensburg“ mit einem die „Ritterburg“ umgebenden See vor seinem geistigen Auge gesehen hat?
 
1798 wurde, zugleich mit dem Baubeginn der Ritterburg, auch mit den Aushubarbeiten für den See begonnen. Der Kartenausschnitt aus einem Plan von Czollitz aus dem Jahre 1803 zeigt, daß die Ausdehnung des Teichs damals noch lange nicht die heutige Größe erreicht hatte. Deutlich zu sehen sind die Brücken, über die Knappenhof und Ritterburg – zu dieser Zeit noch durch einen Wasserlauf getrennte Bauwerke – zu erreichen waren.
 
 
 
Seine heutige Form und Größe erreichte der Teich erst im Jahre 1841, als der Aushub bis in den östlichsten Bereich des Parks vorangetrieben war, und auf einer neu entstandenen (ausgesparten) Insel der Grundstein zum ‚Mariannentempel‘ (von Kaiser Ferdinand I. für seine Gattin Maria Anna gebaut) gelegt wurde.

Irgendwann habe ich mich gefragt wie groß denn so ein „Haufen“ Erde sein mag, der – wohl über Jahre verteilt – wegschaufelt werden mußte, um den Schloßteich Laxenburg entstehen zu lassen.

Was brauch man dazu? Richtig: dazu braucht man zuerst einmal die ungefähre Kubatur des Erdreichs. Mein Wander- Photo- Diskutier- und Überhauptfreund Franz und ich haben uns im Oktober 2012 in ein Motorboot gesetzt und die Wassertiefe des Teichs an 31 relevanten Punkten gemessen. Die Messungen ergaben Wassertiefen von 1,0 m bis 1,9 m. Daraus errechnet sich eine durchschnittliche Wassertiefe von rund 1,38 Meter. Wegen des hohen Wasserstandes zur Zeit der Messungen habe ich noch 8 cm abgezogen und bin somit zu einer durchschnittlichen Tiefe von 1,30 Meter gekommen.

Also: 250.000 m² (Fläche) mal 1,30 m (Tiefe) ergibt nach Adam Ries … 325.000 m³. Na Bravo! Und wieviel ist das jetzt? Nachgerechnet ergibt das demnach einen Erd-Würfel mit einer Seitenlänge von fast 69 Metern. Fast ein kleiner Berg!

Natürlich ist das im Laufe der Jahre ausgehobene Erdreich nicht zur Gänze verladen und weggeführt worden. Dazu hätte es auch sehr vieler Fahrzeuge bedurft. Der Großteil des Erdreichs wurde, unter anderem, zur Aufschüttung aller im Schloßpark befindlichen künstlichen Hügel verwendet.

Kurz vor Vollendung der Aushubarbeiten (1840) war der Schloßteich mit Sicherheit tiefer als unsere Messungen im Jahre 2012 ergeben haben. Ablagerungen am Teichgrund während der vergangenen 170 Jahre mögen die Ursache dafür sein. Der langgediente Schloßhauptmann Michael Riedl, Edler von Leuenstern, der schon unter Kaiser Franz I./II. tätig war, hat jedenfalls damals in einem Brief an seinen Chef, an Kaiser Ferdinand I., unter anderem geschrieben:

„… Allerunterthänigste Anzeige des zum heutigen Tage bereits geschehenen. Mit alleiniger Ausnahme der obenerwähnten Pappelinsel, welche indessen nur zur Hälfte abgegraben wurde, ist der Teich samt der zwei Abzugsschleusen, die wegen des starken Wasserdruckes vorzüglich solide und dauerhaft aus Quadersteinen erbauet werden mußten, gegenwärtig vollkommen hergestellte, so zwar daß im kommenden Frühjahre die Schiffahrt rings um die neu entstandene Insel bis an die Gränze des Parkes statt finden wird. Dieser nunmehr auf Allerhöchsten Befehl vollendete Theil des Parkes ist nach dem Urtheile der Sachverständigen als ein wohlgelungenes Produkt der Gartenkunst zu achten.
An dem Gebäude ist die, auf einer mit 7 Schuh tiefen Wasser umgebenen Insel, bei lockeren sandigem Grunde unvermeidliche Pilotage auf das sorgfältigste bearbeitet und das ganze Fundament in der Höhe von 16½ Schuhen, sohin 8 Schuh über den Wasserspiegel bereits aufgeführt, womit bei eintretender günstiger Witterung fortgefahren werden wird.- ….“

7 Schuh tief sei das die Insel umgebende Wasser, schrieb Schloßhauptmann Riedl. 1 Wiener Fuß (Schuh) entspricht 316,08 mm und damit würde die Wassertiefe um die Marianneninsel etwa 2,20 Meter betragen haben. Wir, also Franz und ich, wir haben (allerdings ~170 Jahre nach dem Aushub) nur 1,9 Meter gemessen. Aber sicher hat die einst von Herrn Riedl angegebene Tiefe gestimmt, denn ich kann mir nicht vorstellen, daß der Herr Schloßhauptmann seinen Chef, also den Herrn Kaiser, angelogen haben soll.

Wo ein (künstlicher) Teich, da muß auch Wasser rein. Der nächstgelegene größere Bach oder Fluß, der als Wasserspender dienen konnte, war die (damals tatsächlich durch den Park geflossene) Schwechat. 1801 wurde bei Münchendorf von der Triesting zusätzlich ein nach Laxenburg führender Kanal abgezweigt, der beim sogenannten „Parapluie“ (an der süd-westlichen Ecke des Parks) in die Schwechat einmündete.

Durch „Regulierung“ hat die Schwechat in späteren Jahren einen völlig neuen Verlauf bekommen. Weit westlich des Parks ist nun ihr Lauf. Seither wird der Schloßteich über den „Triestingkanal“ nur mehr mit Wasser aus der Triesting versorgt. Ein wenig kurios ist die Situation bei der sogenannten „Rutschenbrücke“ an der Münchendorferstraße (L 154). Dort „kreuzen“ sich Schwechat und Triestingkanal. Da beide Wasserläufe niveaugleich fließen, wurde die relativ „mächtige“ Schwechat über den vergleichsweise winzigen Triestingkanal geleitet und dieser, mittels eines „Dükers“, unter der Schwechat durchgeführt.
 

 
Bootsfahrt am Schloßteich (Museum Laxenburg)
 
Der „Hof“ betrieb eigene „Lustschiffe“, um Gästen vergnügliche Stunden am Wasser zu bieten. Aber auch für das „gewöhnliche“ Volk standen Schiffe bereit. 1846 wurde diese Schiffahrt bereits „reglementiert“:
 
„… daß zur Vorbeugung künftiger Unglücksfälle auf dem Laxenburger Teiche das Befahren desselben nur mit Beigebung eines dazu bestellten Schiffmannes gestattet werden wolle, um die hohe obersthofmeisteramtliche Verwendung gebethen, damit auf die Dauer des dießjährigen Sommers zur Bedienung der Lustschiffe 12 bis 15 Mann Pioniere nach Laxenburg kommandirt werden möchten. Die über dieses Unterfangen berichtliche Einschreiten bisher noch keine Erledigung erlangte, so sieht sich der ehrfurchtsvoll Unterzeichnete bei dem Umstande, als durch die Eisenbahn die Laxenburger Frequenz bedeutend gestiegen und die Lustschiffahrt auf dem Teiche das Hauptvergnügen des besuchenden Publikums ist, zur Verhinderung von Unglücksfällen und um den Besuchern Laxenburgs diese ihren aus kaiserlicher Benevolenz gewährte Unterhaltung wegen mangels an Schiffsleuten – da die zur Bedienung des Kaiserschiffes hier befindlichen 4 Pioniere unzulänglich sind – nicht entziehen zu müssen, genöthigt, seine diesfällige gehorsamste Bitte um hohe gnädige Verwendung wegen Erlangung eines Pionier-Detachment von 12 bis 15 Mann auf die Dauer des dießjährigren Sommers zu erneuern.“
 
Der bereits erwähnte Triestingkanal speist heute den Forstmeisterkanal und dieser wiederum versorgt – als Hauptzufluß – den Teich mit Wasser. Ein kurz nach der Fischerdörflbrücke vom Forstmeisterkanal abgeleiteter, ebenfalls künstlich angelegter Bach, mündet süd-westlich der Gothischen Brücke in den Teich und ist somit der zweite Zufluß. Der regelbare Abfluß des Teiches (Wehr) befindet sich bei der Marianneninsel, und nahe des Stapelplatzes existiert ein ungeregelter Überlauf, der direkt in die Schwechat mündet.
 
Lageplan der Inseln im Schloßteich
 
Im Schloßteich befinden sich 7 Inseln. Die kleine Geflügelinsel, die Schwanen- und Reiherinsel waren stets nur vom Wasser her erreichbar. Mariannen- und Pappelinsel waren jedoch früher durch Brücken mit dem Festland verbunden und konnten begangen werden. Die Insel auf der die Franzensburg steht ist vom Westen her zwischen Frühjahr bis zum Herbst mittels einer Fähre (man nannte das einst eine „Fliegende Brücke“) zu erreichen. Für die Wintermonate wird ein Steg aufgebaut, über den man zur Franzensburg gelangt. Vom Osten aus geht man über die „Eiserne Brücke auf die Verbindungsinsel und von dieser über die „Dreibogenbrücke“ zur Franzensburg. 

 

Am „Stapelplatz – seemännisch eigentlich ein Ort an dem Boote zu Wasser gelassen, oder wiederum an Land geholt werden – lagen und liegen heute noch zahlreiche Boote an den Anlegestegen, bereit, um von Besuchern für eine Fahrt auf dem ausgedehnten Schloßteich gemietet zu werden.

 
 
"Stapelplatz" beim Schloßteich, Postkarte
 
Nicht immer war es möglich solch ein Schiffchen selbst zu steuern. So wurde im Jahre 1846 beantragt:

„... daß zur Vorbeugung künftiger Unglücksfälle auf dem Laxenburger Teiche das Befahren desselben nur mit Beigebung eines dazu bestellten Schiffmannes gestattet werden wolle ….“
(HHStA, OMeA, Kt.538, r. 43/22 ex 1846, Rückseite : Mit 22. Oktober 1846 erledigt, ad acta)

Als Begründung für diesen Antrag wurde angegeben, daß durch die 1845 bestehende „Flügelbahn“ von Mödling nach Laxenburg ein vermehrter Zustrom von Besuchern erfolgt ist, es doch ein Hauptvergnügen der Leute sei eine „Lustschiffahrt“ auf dem Teiche zu unternehmen und man Unglücksfälle eben verhindern wolle. 
 
 

Anlegeplatz bei der Bootsvermietung