Mittwoch, 25. Mai 2016

Goldfischteich im Schloßpark Laxenburg


der Goldfischteich ?

 




Vielleicht haben Sie auf einem der an mehreren markanten Stellen aufgestellten Lage-Plänen vom Schloßpark Laxenburg die Position gelesen: „Goldfischteich“. Der Name alleine klingt schon gut und verspricht einen Teich anzutreffen, in dem sich diese wunderschönen, unterschiedlich gefärbten, roten, goldfarbigen, zumindest aber bunt gefärbten Fische aus der Spezies der Karpfenfische tummeln.
 
 


Wenn ich wieder einmal am Ufer des Teiches stehe, oder aber, was in neuerer Zeit immer öfter der Fall ist auf dem Bänkchen unter einer riesigen Blutbuche ein wenig Rast halte, dann sehe ich fast nur Wildenten herumschwimmen und, wenn ich im Frühling nahe genug am Wasser stehe, Kröten bei unterschiedlichen Betätigungen. Aber es gibt auch Fische in diesem romantischen Teich. Das kann ich bestätigen. Und mitunter, man muß halt Geduld haben und das Wasser aufmerksam beobachten, dann sind sie auch zu sehen. Die Fische. Relativ große Fische. Aber ob das Goldfische sind? Oder eher Karpfen? Ich weiß es nicht wirklich. Was Fische betrifft … kulinarisch, da kann ich ja durchaus ein wenig mitreden, aber auf zoologischen Gebiet …
 
Es ist schon wieder einige Zeit her, da konnte ich einige Jahre lang in der warmen Jahreszeit auch ein Laufenten-Pärchen hier beim Goldfischteich beobachten. Die hatten dort ihren bevorzugten Aufenthaltsplatz. Oft sah ich sie auf den Zugangswegen auf der Jagd nach ‚Nacktschnecken‘, doch zumeist bevorzugten sie doch die Versorgung mit mitgebrachter (nicht tierischer) Nahrung.
 

 


Goldfischteich … Ist Ihnen, ist Euch am ersten Foto dieses sonderbare, mehreckige „Postament“ im rückwärtigen Teil des Teiches aufgefallen? Ich zeig es nochmals aus der Nähe:
 

 


Das ist zwar nicht der originale Sockel auf dem einst, zur Zeit Kaiser Franz II./I. eines der „merkwürdigen“ (im Sinne von „würdig es sich zu merken“) Objekte gestanden hat: Der „Chinesische Pavillon“. Der „Unterbau“ des Chinesischen Pavillon war ein Gestell aus Holz, wie man auf der Zeichnung von Lorenz Janscha sehr gut erkennen kann.



 
 

Auch den Teich bezeichnete man damals als „Chinesischer Teich“. Eben wegen des kuriosen Pavillons der auf einen Sockel im Wasser stand und durch eine ‚anmutig geschwungene‘ Brücke erreichbar war. Gebaut hat diesen schrulligen Pavillon samt Brücke der Hoftischler Hanold nach Plänen des Architekten Johann Ferdinand Hetzendorf von Hohenberg in den letzten Jahren des 18. Jahrhunderts. Wie er damals (1801) ausgesehen hat, lassen wir uns von einem Augenzeugen erzählen, von Herrn Franz de Paula Gaheis, der das Ding in seinem Buch „Wanderungen und Spazierfahrten in die Gegenden um Wien“ im Jahre 1801 so beschrieben hat:
 
„Von hier kamen wir an einen großen Teich, über welchen eine chinesische Brücke führt. Die Mitte der Brücke formirt einen kleinen offenen Sahl, von welchem die Aussicht über einen Teich und auf den am jenseitigen Ufer errichteten sehr niedlichen Ruhesitz geht. Wenn bey der Anwesenheit des höchsten Hofes das in Gestalt eines Fisches schön geschnitzte und herrlich bemahlte Lustschiff zugegen ist, so hat dieser See viele Ähnlichkeit mit jenem in den Gärten des chinesischen Kaisers zu Si-Hol, wie er nämlich in der Beschreibung der Gesandschaftsreise des Grafen Macartney geschildert wird. Vom Gebäude der Brücke ragen
 
Stangen empor, welche oben mit farbigen Gläsern behängt sind, die, wenn sie von Menschen oder durch den Wind bewegt werden, ein wohltönendes Glockenspiel erregen. In der oberen Einfassung sind chinesische Inschriften. Das Ganze, abermahls ein Werk des Herrn von Hochenberg, eines Künstlers im wahren Sinne des Wortes, thut eine Wirkung, die über alle Beschreibung geht. Die Tischlerarbeit ist von dem Herrn Hoftischler Hanold, und verdient, wie die übrigen Arbeiten dieses geschickten Mannes, besonders bemerkt zu werden.”
 
Die auf der Zeichnung von Laurenz Janscha noch rund um den Teich ersichtlichen Dämme wurden 1803 abgegraben, der Teich wesentlich vergrößert und zugleich der Ablaufbach angelegt. (HHStA, HAL 19, fol. 9-11, 7. August 1803, Ludwig de Traux)
 
1821 waren der Chinesische Pavillon und die Brücke laut Bericht der „Laxenburger Schloß- Bau- und Gartendirektion“ bereits stark demoliert. In dem Bericht ist zu lesen: „… Die chinesische Brücke und das Lusthaus belangend, wovon erstere bereits ganz vermodert war und daher heuer abgetragen werden mußte, das Hauptgestell der Letzteren aber, bis auf dessen äußere Bestandtheile und chinesischen Verzierungen, welche ebenfalls ganz dahin sind, doch noch in einem solchen Zustande ist, daß es noch durch mehrere Jahre ausdauern kann, ….“
 
Im Oktober 1822 wurde das Objekt in vereinfachter Form erneuert. Das dürfte dann auch einige Zeit Bestand gehabt haben, denn F.C. Weidmann schreibt 1853 in seinem Büchlein „Die Umgebungen Wien´s historisch – malerisch geschildert“:
 
„Jetzt ist das ganze umgestaltet. Ein geschmackvoller Aufgang führt von zwei Seiten in den sechseckigen, einfachen, aber in edlem Style hergestellten Pavillon. Er spiegelt sich in den hellen Gewässer eines klaren Teiches, mit Goldfischen und Karpfen von bedeutender Größe belebt.“
 
Heute (2016) sind lediglich die beiden gemauerten, durch Wettereinflüsse nahezu zerstörten Auflagen der ehemaligen Brücke, sowie der steinerne Sockel erhalten, auf dem einst der schlichte sechseckige, nicht mehr „chinesische“ Pavillon“ gestanden hat.
 

 

 
Sein Wasser bezieht der ‚Goldfischteich‘ aus dem Forstmeisterkanal, wo beim damals dort befindlichen „Fischerdörfl“ nicht nur ein künstlicher Wasserfall, sondern eben auch ein Bächlein zur Versorgung des Goldfischteichs mit Wasser angelegt wurde. Wie oben schon erwähnt wurde 1803 auch der Abflußbach angelegt, der sich eine weite Strecke durch den Park schlängelt, vorbei am „Haus der Laune“, um hinter der „Rittergruft“ in die „Schwechat“ einzumünden.

 

 

 
Vom Mai bis November 1873 fand im Wiener Prater die fünfte Weltausstellung statt, für die u. a. eigens die berühmte ‚Rotunde‘ errichtet wurde, die am 17. September 1937 einem Brand zum Opfer fiel. Mit dieser Weltausstellung sollte der Welt Glanz und Macht der Österreich – ungarischen Monarchie vor Augen geführt werden. Die Ausstellung wurde von ungefähr 7 Millionen Menschen besucht, darunter die  prominentesten Persönlichkeiten der damaligen Zeit (der deutsche Kaiser, der Zar von Rußland, die Könige von Belgien, Italien und Schweden u. a.). Aufgrund des Börsenkrachs vom 9. 5. 1873 (der sogenannte „Gründerkrach“) und einer gleichzeitig auftretenden Choleraepidemie erreichte sie allerdings nicht den erwarteten Erfolg und hinterließ neben großen menschlichen Leid auch ein erhebliches finanzielles Defizit.
 
Für Laxenburg „hinterließ“ sie allerdings ein nettes kleines Holzhäuschen. 1873 kaufte Kaiser Franz Josef von der Wiener Weltausstellung den sogenannten „Schwedischen Pavillon“. Der Kaiser ließ ihn abbauen und 1874 im Schloßpark, am Rande des Goldfischteiches wieder aufstellten. Dieser Pavillon, mitunter auch als „Norwegischer Pavillon“ bezeichnet, bestand bis 1945.
 

 
Quelle: "Laxenburg, Juwel vor den Toren Wiens", Der "Schwedische Pavillon" in Laxenburg um 1900, Gemeinde Laxenburg, Seite 228. Foto H. Suck
 


Dr. Weber (mit Gattin?) auf dem Sockel im Goldfischteich, vor dem "Schwedischen Pavillon"

 
Das obige Bild hat mir Herr Senatsrat Dr. Edwin Weber (mein leider bereits verstorbener Hausherr) überlassen.
 
Aber noch einmal z’wegen die Fisch‘:
 
Über den Fischbestand des „Karpfenteichs“ zu Mitte des 19. Jahrhunderts schreibt Gerhard Dützele von Coeckelberghe („Das k.k. Lustschloß Laxenburg“, 1846):
 
„… Wer den Karpfenteich besucht und Brotstücke hineingeworfen hat, wird alsbald die ungeheuer großen, dicken, schwerfälligen Karpfen bemerkt haben, die allmälig zum Vorschein kommen, diese Fische lassen schon ihrem Äußeren nach, durch ihre Körperfülle und die Trägheit ihrer Bewegungen  auf ein hohes Alter schließen. Und so verhält es sich auch; denn es sollen noch Thiere darin leben, die unter Maria Theresia dahin versetzt wurden. …“
 
Jetzt setz ich mich auf das Bankerl unter der riesigen Blutbuche und warte darauf, daß sich einer dieser dicken schwerfälligen Karpfen zeigen möge, der schon unter Maria Theresia dahin(ein) versetzt wurde ….  J

 



 
… und das ist der kürzeste Weg zum Goldfischteich: